Der Tagesspiegel : Babelsberg dreht auf

Im Sommer kommen Tom Cruise und Charlize Theron in die Filmstudios, und der Oscar-Film „Monster“ wird hier gerade synchronisiert

Sabine Schicketanz

Potsdam. Als Matt Damon und Kevin Spacey vor zwei Wochen ihre Koffer packten, holten die Filmemacher im Studio Babelsberg tief Luft. Hollywood im Doppelpack hatte die Babelsberger über Monate in Atem gehalten. Doch jetzt hält man im Studio die Luft an: Spätestens im Juli kommt wahrscheinlich Charlize Theron, die frisch gekürte Oscar-Preisträgerin. In den nächsten Tagen soll aus Los Angeles die Zusage kommen für den Film „Aeon Flux“ mit Theron in der Hauptrolle. In Potsdam und Berlin sollen die Dreharbeiten für den Science-Fiction- Streifen nach Vorbild der gleichnamigen MTV-Comic-Serie beginnen.

Weder bestätigen noch dementieren wolle man die Pläne für „Aeon Flux“, sagt Babelsberg-Sprecher Felix Neunzerling. Solange die Vertragstinte nicht trocken ist, hält sich das Studio lieber dezent zurück. Die Chancen, die Dreharbeiten für den Film nach Babelsberg zu holen, sind jedenfalls so gut wie nie: „Der Pianist“, „In 80 Tagen um die Welt“ (Kinostart im September) und jetzt „The Bourne Supremacy“ mit Matt Damon und „Beyond the Sea“ von und mit Kevin Spacey hat Babelsbergs Ruf als anspruchsvolles Kino-Studio mit der Filmstadt Berlin vor der Tür gestärkt. Neben den relativ günstigen Produktionskosten imponiert US-Filmproduzenten auch die Professionalität der Babelsberger: Die meisten Mitarbeiter in der Crew für „The Bourne Supremacy“ waren Deutsche.

Für die Bosse von Lakeshore Entertainment und dem US-Studio Paramount Pictures, die „Aeon Flux“ und die angebliche Zehn-Millionen-Dollar-Gage für die Südafrikanerin Theron finanzieren, könnte das den Ausschlag geben. Auf dem Babelsberger Traditionsgelände gibt es riesige Studio-Hallen, in denen sich mühelos die „Green Screens“ für Trickaufnahmen aufbauen lassen, ein eingespieltes Stuntteam, eine renommierte Spezialeffekte-Firma und studioeigene Kulissenbau-, Kostüm- und Requisitenabteilungen. Sie alle könnten mit „Aeon Flux“ volle Auftragsbücher bekommen, denn die Comic- Adaption soll, so zitierte der britische „Guardian“ Branchen-Insider, Filmen wie „Matrix“ oder „Total Recall“ ähneln.

Charlize Theron, die für ihre oscarprämierte Darbietung als Serienmörderin in „Monster“ dreizehn Kilo zunehmen musste, wird in „Aeon Flux“ wieder schlank auftreten – die Rolle als Kriminelle allerdings behält sie. In dem neuen Film spielt sie eine Auftragskillerin, die den Anführer einer kleinen Gruppe Menschen, die einen tödlichen Virus überlebt haben, umbringen soll. Das MTV-Vorbild der futuristischen Killerin ist berühmt für coole Sprüche und enge Kleidung. Regie führen soll Karyn Kusama, die zuvor den Frauen-Boxfilm „Girlfight“ inszenierte. In Babelsberg könnte Action-Lady Theron außerdem auf ein männliches Pendant treffen: Tom Cruise hat sich für Dreharbeiten zu „Mission: Impossible III“ angemeldet. Obwohl das Studio auch hier weder bestätigt noch dementiert, schwärmen die Filmhandwerker schon von neuen Kulissenbauten.

Kommt nach Damon und Spacey das zweite Hollywood-Doppelpack Theron und Cruise nach Babelsberg, würde dies für das defizitäre Studio zum Jahresende eine „ausgeglichene Bilanz“ bedeuten, sagt Produzent Udo Happel. „Babelsberg hat bewiesen, dass man mit Spielfilmen Geld verdienen kann.“ Davon profitieren auch deutsche Filmemacher: Die Erlöse, die aus geförderten Großproduktionen zurück ans Studio fließen, müssen für deutsche Filme ausgegeben werden. Allein „Der Pianist“ brachte 1,1 Millionen Euro, die nun teilweise in Romuald Karmakars „Die Nacht singt ihre Lieder“, Andreas Dresens „Willenbrock“ und die türkische Komödie „Süperseks“ investiert wurden. Und mit Charlize Theron verdienen die Babelsberger schon jetzt Geld: Im Tonstudio wird gerade „Monster“ synchronisiert.

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