Der Tagesspiegel : Babelsberger Filmtrick-Studios wieder pleite

Torsten Hampel,Nicola Klusemann

Die Betreiberfirma des Babelsberger Filmtrick-Studios Fx. Center ist zahlungsunfähig. Bereits am Dienstag sind die 60 Beschäftigten "freigestellt" worden, sagte eine Unternehmenssprecherin. Ihre Gehälter stehen seit September aus. Das Unternehmen, die Chemnitzer Artemedia AG, ist damit bereits das zweite, dass an der Führung der hochmodernen Studios scheitert. Bereits 1999 kapitulierte ein Betreiber, danach dauerte es Monate, bis mit Artemedia ein Nachfolger gefunden wurde. Das 104 Millionen Mark teure Filmhaus wurde mit 93 Millionen Mark vom Land Brandenburg und der Europäischen Union gefördert.

Um es zu retten, werde nun gemeinsam mit dem Eigentümer, dem Europäischen Filmzentrum Babelsberg (EFB) e.V., ein neues Betreibermodell erarbeitet, sagte Matthias Haensch, Sprecher der für die Förderung zuständigen Landesinvestitionsbank Brandenburg (ILB). "Wir erörtern alle Eventualitäten", sagte Haensch. Bei der Betreibersuche setze man auch auf die guten Beziehungen des Regisseurs und ehemaligen Chefs von Studio Babelsberg, Volker Schlöndorff, der seit Jahresanfang im EFB-Vorstand sitzt.

Die Idee für das Fx. Center stammt noch aus der Zeit, als Schlöndorff Chef der Studios war. Bis dahin war es in Babelsberg nicht möglich, dort gedrehte Filme digital zu verarbeiten. Digitale Tricks würden für Kinoproduzenten aber immer wichtiger, so die damalige Annahme - weil sich damit Kosten sparen ließen. Mit den im Fx. Center stehenden Maschinen können zum Beispiel Menschenmassen virtuell hergestellt werden, so dass die Filmfirmen das Geld für die Statisten sparen. Bedingung für die hohe Förderung war, dass sich im Fx. Center vor allem kleine Unternehmen einmieten. Doch weil deren Interesse ausblieb, nutzte das Multimedia-Unternehmen Artemedia am Ende zwei Drittel der Kapazitäten selbst, kam also den Förderbedingungen nicht nach.

Die Suche nach Betreiber-Alternativen hatten EFB und ILB bereits Ende August begonnen, als Artemedia die Studio-Miete schuldig blieb. Die Länder Brandenburg und Sachsen wollten damals die Insolvenz der Firma mit Krediten abwenden. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte am Freitag auf Anfrage, dass Artemedia bei der Vorbereitung auf einen Börsengang aber zu hohe Kosten verursacht habe, die nicht mehr ausgeglichen werden konnten.

Damit endet die zweite Fx.-Betreiberfirma in der Insolvenz. Und die Frage steht im Raum, ob es für große digitale Produktionsstudios überhaupt einen Bedarf gibt. Auch in Nordrhein-Westfalen gab es bereits einen ähnlichen Fall: In Oberhausen sollte 1999 mit 100 Millionen Mark Subventionen ein Trickfilmzentrum etabliert werden. Es musste bald Konkurs anmelden.

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