Bad Belzig : Bloß nicht baden gehen

Belzig heißt jetzt Bad Belzig. Nun muss die Kleinstadt noch zum lebendigen Kurort werden.

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Beliebtes Ausflugsziel: Das Lokal Springbach-Mühle ist eine der Belziger Attraktionen. -Foto: Rückeis

Bad Belzig – Auf einem Ortseingangsschild prangt bereits der ganze Stolz vieler Einwohner der Kleinstadt im Hohen Fläming: „Bad Belzig“. Seit Dezember vergangenen Jahres darf sich der 60 Kilometer südwestlich Berlins gelegene Ort mit diesem Titel schmücken. Die Wiedereröffnung des großen Bades „Steintherme“ nach mehrmonatiger und mit 4,5 Millionen Euro recht kostspieliger Renovierung hatte die prestigeträchtige Auszeichnung möglich gemacht. Doch wer heute die 11 000-Einwohner-Stadt besucht, findet die vor vier Monaten verkündete Aufbruchsstimmung zu einem „überregional ausstrahlendem Kurort“ keineswegs auf Anhieb wieder. Offenbar liegt vor den Belzigern noch ein langer Weg.

„Hotel und Gaststätte bleibt bis auf weiteres geschlossen“, verkündet ein Zettel mit schludriger Grammatik ausgerechnet am wichtigsten Belziger Wahrzeichen, der mehr als 1000 Jahre alten Burg Eisenhardt. Dahinter steckt eine leider in Brandenburg gar nicht so seltene Geschichte von blindem Vertrauen und Selbstüberschätzung. Mit dem Hinweis auf chinesische Geldgeber hatte im Sommer vergangenen Jahres eine Hotel- und Kongressgesellschaft das Anwesen in bester Lage hoch über der Stadt „für 33 Jahre“ übernommen. Geld spielte für sie angeblich keine Rolle, wollte sie doch großzügig die vom wenig glücklich agierenden Vorgänger angehäuften Schulden in Höhe von 90 000 Euro bei der Stadt übernehmen. Schließlich sollte die Belziger Burg eine „Brücke zu chinesischer Medizin und Kultur“ werden. Doch der Traum platzte, bevor er überhaupt so recht anfing. Die Chinesen sagten ab und ihre deutschen Partner kündigten den städtischen Pachtvertrag mit der fadenscheinigen Begründung, die Stadt habe dem Hotel nicht genügend Parkplätze zur Verfügung gestellt.

Die parteilose Bürgermeisterin Hannelore Klabunde, der von der Lokalzeitung immer wieder mal der Rücktritt angeraten wird, will bis Ende April das „leidige Burgproblem“ vom Tisch haben. „Es gibt mehrere Interessenten, die zumindest die Gastronomie wieder in Betrieb nehmen wollen“, sagt sie. „Die Einwohner haben sich auf einer Ideenbörse mehrheitlich für eine Fortsetzung des Hotelbetriebes ausgesprochen.“ Immerhin gibt es in der einstigen Jugendherberge 38 Betten.

Trotz des Rückschlags mit der Burg will die seit dem 1. Januar 2009 auf dem Bürgermeisterstuhl sitzende Frau an der Kurortentwicklung keine Abstriche machen. Ihren Optimismus begründet sie vor allem mit der Kompetenz eines in der Bäderwelt bestens bekannten Fachmanns. Christian Kirchner, nacheinander Kurdirektor in Bad Orb, in Bad Saarow und in Bad Elster/Bad Brambach, lenkt als „Kurortkoordinator“ seit einigen Monaten die Geschicke im Hintergrund. Die etwas sperrig klingende Bezeichnung könnte bald Nachahmer in ganz Deutschland finden. „Die heutigen Kurdirektoren unterstehen im Unterschied zu früher meistens der Stadtverwaltung und können somit wenig ausrichten“, sagt Kirchner. „In meinem Modell aber finanzieren die Reha-Klinik, das Krankenhaus und die Stadt gemeinsam meine Stelle, sodass ich mehr machen kann als ein Wirtschaftsförderer.“

Seine erste Amtshandlung erscheint keineswegs spektakulär, wurde aber sofort zum Stadtgespräch. „Ich habe die Bürgermeisterin schon auf der ersten Besichtigungstour gebeten, das Schild ‚Auf Wiedersehen in Belzig’ zu entfernen“, erzählt der 60-Jährige. „Es stand zwar an den letzten Häusern, aber dahinter folgte noch das Thermalbad. Es schien so, als ob die Therme gar nicht mehr zu Belzig gehören sollte.“ Genauso aber war das Verhältnis zwischen Thermenleitung und Stadt. Während sich die eine Seite mehr nach Berlin orientierte und dort ihr Publikum sah, hatten die Einwohner nie eine feste Bindung zum Bad aufgebaut. Die Reparaturkosten nach dem Pfusch am Bau aber mussten sie sehr wohl komplett tragen.

„Jetzt wollen wir uns im Dreieck zwischen Leipzig, Magdeburg und Berlin als einzigartiges Ziel profilieren“, sagt Christian Kirchner. Die Therme erhalte in Kürze ein 80-Zimmer-Hotel, im Kurpark werde sonntags Kultur geboten und die Gastronomen, die sich bisher untereinander gar nicht kannten, sollen ein Fläming-Menü anbieten. Die Einwohner indes machte er kürzlich auf einer gut besuchten Versammlung sprachlos. „Ich hatte ihnen erzählt, dass Bad Belzig etwas in ganz Brandenburg Einmaliges bieten und damit Besucher massenweise anlocken könnte: Freundlichkeit“, erzählt Kirchner, der mit seiner offenen Art anfangs so manchen Einwohner regelrecht schockierte. „Sie kostet nichts, macht aber viel Mühe.“

Ob es gelingt, bleibt eine spannende Frage. In Bad Belzigs Zentrum jedenfalls sind die Menschen rasch zufriedenzustellen. „Zwei DDR-Brötchen bitte“, verlangte ein Kunde in der Landbäckerei Abel. Ringsum gab es viele freundliche Blicke.

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