Der Tagesspiegel : Badespaß trotz Regendach

Claus-Dieter Steyer

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Bei knapp 30 Grad Celsius ins Hallenbad statt an einen See? In Brandenburg ticken die Uhren auch hier offenbar etwas anders. Denn die überdachten Spaß, Kur- und Erlebnisanlagen meldeten selbst an diesem ersten Sommerwochenende normalen, mitunter sogar starken Besucherandrang. Geradezu gestürmt wurde die neue Lausitztherme Wonnemar in Bad Liebenwerda. Die Gründe für den regen Betrieb auch an den Kassen zwischen Belzig, Bad Saarow und Templin sind vielfältig. Da sind zunächst die Meteorologen. Haben sie nicht tagelang schöneres Wetter und für den Sonnabend von früh an strahlenden Sonnenschein versprochen? Doch zum Frühstück, wenn die meisten Entscheidungen über das Ausflugsziel fallen, zeigte sich der Himmel verhangen. Da ging so mancher selbst am Sonntag auf Nummer sicher, entschied sich für das Hallenbad – und genoss das überraschend schöne Wetter in den Außenbecken oder in den Gärten der Sauna-Landschaften.

Der Hinweis auf die Schwitzbäder erklärt den wohl entscheidenden Grund. Wer die Freizeit so richtig genießen will, begnügt sich heute nicht mehr oder jedenfalls nicht immer mit dem Sprung in einen See. Da wird lieber im solehaltigen, gesundheitsfördernden Wasser geschwommen, im Whirlpool entspannt oder auf der Massageliege die Rückkehr fast verloren geglaubter Lebensgeister genossen.

Diese längst nicht vollständigen Wohlfühl-Aspekte in den modernen Bädern werden die Besucher jeden Alters auch künftig in Scharen anlocken. Selbst höhere Außen-Temperaturen haben da keinen großen Einfluss. Deshalb erscheinen Diskussionen über eine zu große Zahl von Freizeit- und Erholungsbädern als wenig stichhaltig. Brandenburg mit seinen über zwei Millionen Einwohnern verträgt durchaus eine wachsende Bäderlandschaft – unter einer Voraussetzung: Berlin muss es weiter so finanziell schlecht gehen, dass sich die Stadt keine Thermal- und Spaßbäder leisten kann. Dadurch müssen die Großstädter fürs Vergnügen eben weit ins Land fahren. Selbst 60 Minuten oder gar zwei Stunden Fahrzeit sind ihnen nicht zu viel, wie die vielen B-Kennzeichen vor der Therme in Bad Wilsnack, vor dem „Schwapp“ in Fürstenwalde oder vor der Kristall- Therme in Lübbenau beweisen. In Bad Saarow scheinen drei Viertel aller Gäste aus Berlin zu stammen.

Damit widerspricht Brandenburg allen Statistiken und Gutachten, nach denen die Gäste eines Hallenbades eine maximale Fahrtzeit von 30 bis 45 Minuten in Kauf nehmen. Allerdings ist mit 34 Hallenbädern in Brandenburg nun bald der Sättigungsgrad erreicht. Potsdam, das Spreewald-Zentrum Burg und Rheinsberg folgen in den nächsten Jahren. Dann müsste in der Liste Schluss sein, die dann auf den Verhandlungstisch für eine Länderehe Berlin / Brandenburg gepackt werden müsste. Berlin könnte sich verpflichten, auf große Bäder auch künftig zu verzichten. So bleibt schließlich der Badespaß unterm Hallendach dauerhaft gesichert.

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