Bahn-Privatisierung : Großprojekte der Bahn vor dem Aus?

Mit dem drohenden Aus für die Privatisierung der Deutschen Bahn stehen mehrere Großprojekte auf der Kippe. Der Bahn entstehe eine Deckungslücke von zwei bis drei Milliarden Euro. In einem Brief an die SPD-Spitze soll Bahn-Chef Mehdorn sein Leid geklagt haben.

Bahn Mehdorn
Privatisierung in Gefahr: Das drohende Aus bringt die Pläne von Bahn-Chef Mehdorn ins Wanken. -Foto: ddp

HamburgDie Bahn braucht einem "Spiegel"-Bericht zufolge zwei bis drei Milliarden Euro aus dem geplanten Börsengang, um wichtige Vorhaben in den kommenden Jahren zu verwirklichen. Sollte die Privatisierung scheitern, stünden zentrale Projekte der Bahn vor dem Aus, berichtete "Spiegel Online" unter Berufung auf einen Brief von Bahnchef Hartmut Mehdorn an die SPD-Bundestagsfraktion, der demnach vor dem Parteitag in Hamburg abgeschickt wurde.

In dem Brief listet Mehdorn laut dem Bericht sechs Vorhaben auf, deren Finanzierung auf der Kippe steht. Die Bahn müsse "frankreichtaugliche ICE-Züge" im Wert von 900 Millionen Euro anschaffen, für die Expansion im internationalen Seeverkehr benötige sie 1,5 bis zwei Milliarden Euro. Die Übernahme osteuropäischer Staatsbahnen koste bis zu drei Milliarden Euro, die Investitionen der Bahn an der Transsibirien-Landbrücke zwischen Asien und Europa betrügen bis zu zwei Milliarden Euro. Außerdem seien im Bereich Spedition und Logistik Zukäufe im Wert von rund zwei Milliarden Euro notwendig. Bis zu zwei Milliarden Euro seien für Investitionen in den Nahverkehr europäischer Großstädte nötig.

Den Großteil dieser Vorhaben will die Bahn demnach aus eigenen Mitteln stemmen. Trotzdem bleibe in den kommenden Jahren "eine Deckungslücke von zwei bis drei Milliarden Euro", zitierte "Spiegel Online" aus dem Brief an die SPD-Bundestagsfraktion. Die SPD hatte auf ihrem Parteitag am Wochenende beschlossen, die Bahn nur über die Ausgabe von Volksaktien zu privatisieren. Die Union ist dagegen. Eine rasche Privatisierung ist damit unwahrscheinlich. (mit AFP)