Bahn-Tarifkonflikt : Bahnkunden brauchen trotz Streikende weiter viel Geduld

Der dreistündige Streik der Lokführer im Nahverkehr ist beendet - Bahnkunden müssen sich aber trotzdem weiter auf einen eingeschränkten Verkehr einstellen. Der Notfahrplan der Bahn gilt für den ganzen Tag. Weitere Streiks drohen.

BerlinDer bundesweite Zugverkehr läuft wegen eines Lokführerstreiks nur nach einem Notfahrplan. Die Einschränkungen gelten auch nach Ende der Arbeitsniederlegungen um elf Uhr weiter. Die Deutsche Bahn hatte sich nach der Streikankündigung der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) entschlossen, mit einem Ersatzplan einen eingeschränkten Verkehr aufrechtzuerhalten. So sei es während des dreistündigen Streiks am Morgen gelungen, "einen reduzierten, aber zuverlässigen Bahnbetrieb" abzusichern, teilte die Bahn mit. In ganz Deutschland kamen Pendler zu spät zur Arbeit, das befürchtete Chaos blieb aber weitgehend aus. "Die Kunden haben sich rechtzeitig auf die veränderte Situation eingestellt", sagte eine Bahnsprecherin.

Erst am frühen Morgen hatte das Arbeitsgericht Chemnitz geplante Streiks im Güter- und Fernverkehr für unzulässig erklärt. Darauf konnte das Unternehmen nach eigenen Angaben so kurzfristig nicht mehr reagieren, so dass es bei dem Ersatzfahrplan blieb. Nach der Eilentscheidung des Gerichts beschränkte sich die GDL auf Streiks im Regionalverkehr und bei den S-Bahnen. Mit dem Einsatz beamteter Lokführer versuchte der Konzern, dennoch möglichst viele S-Bahnen rollen zu lassen.

Keine Streiks am Wochenende

Im Fernverkehr wollte die Bahn rund zwei Drittel der 750 Züge einsetzen sowie im Regionalverkehr etwa die Hälfte der Züge. Angaben, welche Züge fahren, sollen im Internet unter www.bahn.de/aktuell und unter der Telefonnummer 08000 996633 zu bekommen sein. Im Falle neuer Streiks in der kommenden Woche will die Bahn erneut mit Ersatzplänen reagieren. An diesem Wochenende bleiben Bahnfahrer von Streiks verschont. GDL-Vizechef Günther Kinscher sagte dem Nachrichtensender N-TV, weitere Streiks würden rechtzeitig angekündigt. Zuvor werde nun aber über die Strategie beraten. "Ich schließe auch Streiks am Montag nicht aus", sagte Kinscher.

Die GDL will mit dem Arbeitskampf einen eigenständigen Tarifvertrag und 31 Prozent mehr Geld für das Fahrpersonal durchsetzen. Die Bahn lehnt einen separaten Tarifvertrag ab und verweist auf ihr bereits vorgelegtes Angebot. Demnach soll die GDL den mit den anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA erzielten Abschluss mit 4,5 Prozent Einkommensplus übernehmen. Durch mehr Geld für zusätzlich geleistete Arbeitsstunden könnten die GDL-Mitglieder am Ende bis zu zehn Prozent mehr Geld in die Tasche bekommen.

Schell: Angebot der Bahn ist "Verdummbeutelung"

Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell warf der Bahn vor, sie habe ursprünglich zugesagt, einen Tarifvertrag auszuhandeln, dies jetzt aber unter den Tisch fallen lassen. "Das Angebot der Bahn ist kein Angebot, sondern Verdummbeutelung", sagte Schell. Die Bahn wies dies zurück.

Das Unternehmen berichtete, streikende Lokführer hätten auf mehreren Bahnhöfen versucht, "massiven Einfluss" auf fahrbereite Kollegen zu nehmen und sie bedrängt, sich am Streik zu beteiligen. Zudem hätten GDL-Mitglieder an verschiedenen Informationsständen die Auskunft der Reisenden behindert. Die Bahn werde in diesen Fällen von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und die Streikenden aus den Bahnhöfen verweisen, teilte der Konzern mit. (mit dpa)