Bahn-Tarifstreit : Lokführer wollen noch heute neues Angebot

Warten auf eine Entscheidung: Bahn und Lokführer zeigen sich optimistisch im Tarifstreit. Doch die Gespräche zwischen Bahn-Boss Mehdorn und GDL-Chef Schell sind nicht ohne: "Das sind sehr harte Verhandlungsrunden."

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Bahnchef Hartmut Mehdorn (li.) mit dem GDL-Vorsitzenden Manfred Schell -Foto: ddp

Dortmund Im Tarifstreit bei der Bahn erwartet die Lokführergewerkschaft GDL noch an diesem Tag eine verbindliche Offerte. "Wir gehen davon aus, dass die Bahn uns heute ein Angebot vorlegt", sagte GDL-Vize Günther Kinscher. Ob das Angebot verhandlungsfähig sei, bleibe aber noch offen. "Heute Abend wissen wir mehr", so Kinscher. Ort und Zeit der Gespräche wollte er nicht nennen. "Das sind sehr harte Verhandlungsrunden", ergänzte er.

Die Sondierungsgespräche zwischen Bahn und Lokführergewerkschaft werden heute fortgesetzt. Bei mehrstündigen Gesprächen zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn und GDL-Chef Manfred Schell ist gestern noch kein Angebot vorgelegt worden, aber man sei "auf einem guten Weg", sagte der GDL-Bezirksvorsitzende von Nordrhein-Westfalen Frank Schmidt. Ort und Zeit der erneuten Gespräche nannte er nicht. Schell sagte für das Treffen die Teilnahme an einer Veranstaltung ab. Der GDL-Chef sei "guter Dinge", dass die Bahn ein "tragfähiges Angebot" vorlegen werde, fügte Schmidt hinzu. Gleichzeitig betonte der Bezirksvorsitzende, die Mitglieder der GDL seien noch nicht streikmüde. Sollte die Bahn doch kein ausreichendes Angebot vorlegen, sei die Gewerkschaft daher auch zu weiteren Arbeitsniederlegungen bereit.

Bahn-Aufsichtsratsmitglied Georg Brunnhuber bestätigte ebenfalls, dass es zunächst weitere Sondierungen geben solle, die möglicherweise auch noch bis diesen Donnerstag dauern könnten. "Aber ich bin überzeugt, dass die weiteren Gespräche zu einem Angebot führen werden", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete im RBB-Inforadio. Der Bahn-Vorstand wolle zunächst klären, "was denn jetzt die wichtigste Forderung ist". Ein "wirklich verhandlungsfähiges" Angebot lasse dann keiner Seite Raum für Ausflüchte. Brunnhuber sagte, er halte es für realistisch, dass Ende der Woche Verhandlungen beginnen könnten.

Appell von Merkel: "Volle Konzentration"

Mehdorn und Schell hatten am späten Dienstagabend nach einem rund vierstündigen Austausch kommentarlos die alte Bahnzentrale in Frankfurt verlassen. Die Gespräche hatten am Dienstagvormittag in Egelsbach bei Darmstadt begonnen und waren zeitweise unterbrochen worden. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte bereits am Montag nach einem Treffen mit Schell und Mehdorn angekündigt, dass die Bahn ein neues Angebot zugesagt habe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangte von den Tarifparteien "volle Konzentration" auf eine Einigung. "Der Tarifkonflikt bei der Bahn darf nicht bis Weihnachten dauern", sagte sie der "Bild"-Zeitung.

Das bisherige Angebot der Bahn enthält 4,5 Prozent mehr Geld, 600 Euro Einmalzahlung sowie weitere Verdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit. Die GDL fordert einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und Einkommensverbesserungen im zweistelligen Prozentbereich. Neue Streiks hat die Gewerkschaft zunächst nicht angekündigt.

DGB-Chef: Lokführer sind unsolidarisch

Kritik an der Lokführergewerkschaft äußerte der DGB. "Wenn man nur auf seine eigene Klientel schaut, hat das mit Solidarität wenig zu tun", sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, der Wochenzeitung "Die Zeit". Einheitsgewerkschaften versuchten, unterschiedliche Interessen auszugleichen. "Die Lokführer tun das Gegenteil." Er forderte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer auf, wieder in den Tarifverbund der übrigen Gewerkschaften bei der Bahn zurückzukehren.

Transnet fordert Angebot noch in dieser Woche

Parallel zum Tarifstreit zwischen der Bahn und der GDL pocht die Gewerkschaft Transnet auf rasche Vorschläge des Konzerns zur Verbesserung der Entgeltsysteme. "Ich erwarte noch in dieser Woche entsprechende Angebote", sagte der Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen im Sender N-TV. "Wenn die nicht kommen, werden wir uns überlegen müssen, wie wir unsere Mitglieder mobilisieren." In einem Gespräch mit Bahnchef Hartmut Mehdorn und Personalvorstand Margret Suckale habe er gefordert, die "vage Aussage" zu konkretisieren, dass für solche Verbesserungen ein dreistelliger Millionenbetrag zur Verfügung gestellt werden solle.

Mit von Transnet organisierten Streiks sei "nicht von heut auf morgen" zu rechnen, da nach dem im Sommer erzielten Tarifabschluss mit 4,5 Prozent Einkommensplus Friedenspflicht herrsche. Um darüber hinaus Verbesserungen in der Bezahlungsstruktur zu erreichen, sei aber auch Transnet in der Lage "jederzeit in eine Kampfsituation zu gehen, was ich nicht möchte". An den laufenden Sondierungsgesprächen zwischen der GDL und der Bahn sei Transnet derzeit nicht beteiligt. Hansen unterstrich aber: "Alles, was mit der GDL abgeschlossen wird und andere Beschäftigte in ihrer Erwartungshaltung genauso betrifft, wird den Konflikt nur verlängern und nicht beenden." (mit dpa/AFP)