Bahn-Tarifverhandlungen : Mehr Geld, aber kein Tarifvertrag

Einen eigenen Tarifvertrag soll es nicht geben, aber finanziell will die Bahn den Lokführern entgegenkommen. Mit diesem Angebot geht die Bahn in neue Verhandlungen mit der Lokführergewerkschaft.

BerlinDie Deutsche Bahn will in der Tarifrunde mit der Lokführergewerkschaft GDL an diesem Donnerstag offenbar ein neues Angebot vorlegen. So solle der von der GDL angedrohte Streik noch abgewendet werden, hieß es aus Verhandlungskreisen. Kernpunkt des Bahn-Vorschlag sei ein Berufs- und Ausbildungsvertrag für die Lokführer. Außerdem will sich Bahnchef Hartmut Mehdorn nach Gewerkschaftsangaben zuvor zu einem Spitzengespräch mit den Vorsitzenden der drei Bahn-Gewerkschaften GDL, Transnet und GDBA treffen. Dort wolle Mehdorn ein neues Vergütungssystem für die 134.000 Bahn-Beschäftigten vorstellen, auf die der Tarifvertrag angewendet wird.

Die Bahn strebe ein Tarifsystem an, das gut ausgebildete und leistungsstarke Mitarbeiter auch finanziell belohnt, hieß es aus Verhandlungskreisen. Auf diese Weise könnte auch die Forderung der überdurchschnittlich qualifizierten Lokführer nach einer deutlichen Lohnerhöhung erfüllt werden. Einen Spartentarifvertrag für das Fahrpersonal wolle die Bahn hingegen unbedingt verhindern.

Die GDL hatte die Verhandlungsrunde als letzte Chance für eine friedliche Lösung bezeichnet. Die Bahn hatte bislang angekündigt, sie werde nicht über den Abschluss hinausgehen, den sie mit Transnet und GDBA erzielt hat. Dieser sieht 4,5 Prozent mehr Geld zum 1. Januar 2008 und eine Einmalzahlung von 600 Euro vor. Für den Fall, dass die Bahn nicht nachbessern sollte, hatte die GDL damit gedroht, die Urabstimmung einzuleiten. Die Gewerkschaft fordert für Lokführer, Zugbegleiter und Service-Mitarbeiter einen eigenen Tarifvertrag, deutlich über 20 Prozent mehr Geld und eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 41 auf 40 Stunden. (mit dpa)