Bahn-Tarifverhandlungen : Wohl doch keine Streiks vorm Weihnachtsfest

Wechselbad der Ankündigungen: es gibt wohl doch keine Streiks bis Weihnachten. Das kündigte GDL-Chef Manfred Schell an. Noch heute morgen wollte er Streiks vor dem Fest nicht mehr ausschließen.

Der Chef der Lokführergewerkschaft gab die Entwarnung nach einem Spitzentreffen mit Bahnchef Hartmut Mehdorn in Berlin. Die Verhandlungen sollten am Freitag fortgesetzt werden. Bahn und GDL verhandeln derzeit darüber, welche Inhalte in Zukunft ein neuer Dach-Tarifvertrag für alle Berufsgruppen bei der Bahn beinhalten soll und welche Punkte in einem eigenen Vertrag für die Lokführer geregelt werden sollen.
  
Die GDL hatte stets einen eigenen Tarifvertrag gefordert und dafür mit mehreren Streiks den Bahnverkehr in weiten Teilen Deutschlands lahmgelegt. In einer gemeinsamen Erklärung der GDL mit den beiden anderen Bahngewerkschaften Transnet und GDBA sowie der Deutschen Bahn heißt es nun, es herrsche Einigkeit darüber, dass die GDL einen eigenständigen Tarifvertrag bekommen solle. Gleichzeitig solle die Bahn mit Transnet und GDBA weitere Tarifverträge für alle anderen Berufsgruppen abschließen. Außerdem sei eine gegenseitige Anerkennung der Tarifverträge vereinbart worden. Die drei Gewerkschaften schlossen zudem für die künftige tarifpolitische Zusammenarbeit eine Kooperationsvereinbarung.
 
Das Tarifsystem der Bahn wird derzeit grundlegend umgebaut. Bis Ende Januar will die GDL mit der Konzernspitze einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer vereinbaren. Bis Ende kommenden Jahres soll zudem ein neuer Manteltarifvertrag entstehen, der übergreifend über die einzelnen Tarifverträge der einzelnen Berufsgruppen hinaus gelten und etwa 80 Prozent der Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern enthalten soll.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) äußerte sich zurückhaltend zu den Chancen für eine Einigung in dem seit Monaten schwelenden Konflikt mit der GDL. "Die großen Probleme liegen immer noch vor uns. Es braucht noch viel Arbeit und Kompromissbereitschaft, um hier zu einer Lösung zu kommen." Auch Mehdorn hatte sich "sehr skeptisch" geäußert. (mpr/AFP/dpa)