Bahnreform : Börsengang der Bahn steht vor dem Scheitern

Über die Art und Weise des Börsengangs der Deutschen Bahn entzweit sich die große Koalition. Nun scheint das Projekt gänzlich vor dem Scheitern zu stehen.

Pofalla warnte im Nachrichtensender "n-tv" vor einem Scheitern des geplanten Börsengangs der Deutschen Bahn: "Wenn die SPD von der Volksaktie nicht abweicht, dann war das das Ende der Teilprivatisierung der Bahn. Dann hat die SPD zu verantworten, dass der Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) diese Reform mit dem Parteitag der SPD vor die Wand gefahren hat."

Der CDU-Haushaltspolitiker Steffen Kampeter forderte, Tiefensee die Zuständigkeit für die Bahnreform zu entziehen. "Ich erwarte, dass sich Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) jetzt um die Bahnreform kümmert, der ohnehin die Kompetenz für die Privatisierung in der Bundesregierung hat", sagte Kampeter. Die SPD will einem Börsengang der Bahn nur zustimmen, wenn stimmrechtslose Vorzugsaktien ausgegeben werden. Sie sollen zwar für private Anleger, nicht jedoch für unerwünschte Finanzinvestoren attraktiv sein.

Die Idee der "Volksaktie"

Höchst missverständlich ist der Begriff der "Volksaktie". Dahinter steckt die Idee, bei einem großen Börsengang möglichst viele Privatanleger zum Zuge kommen zu lassen. In Deutschland besitzen nämlich im Vergleich zu anderen Industrieländern nur wenige "normale" Anleger Aktien.

Verschiedene Mittel kamen dafür bisher zum Einsatz. So gab es in den 1950er und 1960er Jahren bei den Börsengängen von Volkswagen und anderer ehemals staatlicher Konzerne beim Aktienkauf einen "Sozialrabatt" für kinderreiche Familien. Als weitere Anreize kommen Preisnachlässe, Treueaktien oder ein optisch niedriger Preis der neu emittierten Papiere infrage. Der frühere Telekom-Chef Ron Sommer sprach sich etwa dafür aus, dass eine neue T-Aktie nur so viel kosten solle wie ein Kinobesuch mit der Familie.

Beteiligt, aber ohne Stimme

Die 1996 erstmals notierte Telekom-Aktie war es aber auch, die das Prinzip der Volksaktie in Verruf brachte. Denn umschmeichelt von Werbesprüchen und enthusiastischen Analysten vertrauten viele der unerfahrenen Kleinanleger darauf, dass der Aktienkurs automatisch steigt und die Anlage damit so sicher ist wie ein Sparbuch. Mit dem Zusammenbruch der Börsen Anfang des Jahrzehnts wurde dieser Glaube jedoch erschüttert.

Die SPD schlägt nun ein weiteres Volksaktienmodell vor. Um professionelle Finanzinvestoren vom Kauf von Aktien der Deutschen Bahn abzuhalten, sollen die ausgegebenen Papiere kein Stimmrecht und die Anleger damit keine Mitsprachemöglichkeit bei Unternehmens-Entscheidungen erhalten.

Solche Vorzugsaktien gibt es bei zahlreichen Firmen - zum Ausgleich erhalten deren Besitzer meist eine etwas höhere Dividende als Aktionäre mit Stimmrecht. Da private Anleger ohnehin zu wenige Anteile halten, um mitbestimmen zu können, wären sie eher als die Profis bereit, solche Vorzugsaktien zu kaufen, argumentiert die SPD. So würde die Bahn-Aktie sozusagen nebenbei zur Volksaktie. (mit dpa)