Bahnstreiks : Beck kritisiert Lokführergewerkschaft

SPD-Parteichef Beck sieht durch das Vorgehen der Lokführergewerkschaft GDL die Tarifautonomie bedroht. Unterschiedliche Tarifverträge in den Betrieben könnten Unsicherheit und Instabilität hervorrufen.

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SPD-Parteichef Kurt Beck -Foto: ddp

Hamburg"Die Entwicklung der letzten Tage bereitet mir größte Sorge", sagte Beck der "Bild am Sonntag". "Wenn es so käme, dass in jedem Betrieb eine Reihe von verschiedenen Tarifverträgen gelten, dann führte das zu großer Unsicherheit und Instabilität."

Er warne davor, "dass wir für eine Branche unterschiedliche Tarifverträge bekommen", fügte Beck hinzu. Das sei "eine große Gefahr für die gesamte Tarifautonomie". Ähnliche Entwicklungen, wie sie sich derzeit in Deutschland "sehr zögerlich" abzeichneten, hätten in Großbritannien zur Zeit von Premierministerin Margaret Thatcher dazu geführt, dass die Gewerkschaften "an die kurze Leine genommen wurden".

Volkswirtschaftlicher Schaden durch die Streiks

Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben die Streiks einen volkswirtschaftlichen Schaden von mehr als 74 Millionen Euro verursacht. "Der Schaden könnte im Höchstfall sogar knapp 113 Millionen Euro betragen, sagte die DIW-Verkehrsexpertin Claudia Kemfert. Allein der Schaden des 62-Stunden-Streiks im Güterverkehr betrage zwischen 54 und 80 Millionen Euro, der des jüngsten Arbeitskampfes im Personenverkehr zwischen fünf und zehn Millionen Euro.

Georg Brunnhuber, Mitglied im Bahn-Aufsichtsrat, warnte in der Zeitung vor dem Verlust von Arbeitsplätzen durch den Streik: "Die ersten Bahnkunden im Güterverkehr haben in Folge des Streiks bereits Jahresaufträge gekündigt. Die GDL bedroht massiv Arbeitsplätze. Jeder weitere Streik wäre eine Katastrophe." (mit dpa, AFP)