Der Tagesspiegel : Bank schenkt ihrem Chef Geburtstagsfest

Manager der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin feierte für 50 000 Euro. Staatsanwälte prüfen Untreueverdacht

Thorsten Metzner

Neuruppin - Er gilt als einer der erfolgreichen Bankmanager im Osten: Josef Marckhoff, Vorstandschef der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin, die regelmäßig glänzende Zahlen meldet – obwohl die Region im Nordwesten Brandenburgs strukturschwach und dünn besiedelt ist. Doch jetzt ist Marckhoff in den Blick der Staatsanwaltschaft geraten, weil ein 50 000 Euro teurer Empfang zu seinen 60. Geburtstag aus Sparkassengeldern finanziert wurde.

Nach einer anonymen Strafanzeige prüft die Behörde, „ob ein Anfangsverdacht für Untreue vorliegen könnte“, bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Jürgen Flügel. Ein Ermittlungsverfahren sei bislang nicht eingeleitet. Ob es dazu kommt, ist ungewiss. Denn es bestehe auch „die Möglichkeit, dass ein Unternehmen einem Manager etwas schenkt“, sagt Flügel. Die Sparkasse und ihr Verwaltungsratschef, Landrat Christian Gilde (SPD), weisen einen Missbrauch von Geldern des Instituts, das 55 000 Kunden hat, zurück. „Die Feier war keine Privatveranstaltung“, sagt Gilde. „Es war ein gesellschaftliches Ereignis für den Landkreis.“ Es habe sich um eine „Kundenveranstaltung“ gehandelt, betont Sparkassensprecher Karsten Teuffert.

Jedenfalls fehlte es an nichts, als am 30. Mai 100 geladene Gäste in die Sparkassenzentrale der Kreisstadt strömten. Wie ein Teilnehmer berichtet, wurde Neuruppins bisher „längster roter Teppich ausgerollt“. Das Menü servierte der Berliner Nobel-Caterer Käfer. „Für Neuruppiner Verhältnisse war es luxuriös“, erinnert sich der Landtagsabgeordnete Wolfgang Klein (SPD). „Ich habe schon viele Empfänge erlebt. Dieser fiel schon aus dem Rahmen – alles war vom Feinsten.“ Er habe nicht geahnt, dass die Feier aus Sparkassengeldern finanziert werde. Auch dass es zugleich eine Veranstaltung anlässlich „160 Jahre Sparkasse Ostprignitz-Ruppin“ gewesen sein soll, wie es das Bankhaus und Verwaltungsratschef Gilde jetzt behaupten, sei für ihn nicht erkennbar gewesen. Klein selbst verließ die Veranstaltung vorzeitig. Als Grund nannte er die Anwesenheit des früheren Neuruppiner Bürgermeisters Otto Theel (Linke), der kurz zuvor wegen Korruption verurteilt worden war und deshalb sein Landtagsmandat niedergelegt hatte.

Auch Theel verteidigt den Empfang als „Firmenwerbung“. Er ist bis heute stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse. Diese habe zuvor ihren Jahresbericht vorgelegt – „mit sehr guten Zahlen“, wie Theel sagt. Es sei eine Doppelveranstaltung gewesen, auch aus Anlass des Sparkassenjubiläums. Merkwürdig ist dabei nur, dass in offiziellen Verlautbarungen der Sparkasse das 160-Jahre-Jubiläum bis jetzt keinerlei Rolle spielte.

Gleichwohl warnt Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Brandenburger Gemeindebundes, vor einer „Neiddebatte“. Ein Geburtstagsempfang für einen Sparkassenchef sei „in Ordnung.“ Allerdings sollte dabei auch „Maß gehalten“ werden. Ob das in diesem Fall geschah, daran hat auch Böttcher seine Zweifel.

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