Banken-Übernahme : Verdi will Verkauf der Postbank verhindern

Wenn es nach Verdi geht, soll der Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank verhindert werden. Die Dienstleistungsgewerkschaft forderte die Bundesregierung auf, ein Veto gegen den Verkauf der Postbank einzulegen. Am Freitag tagt der Aufsichtsrat der Post - dann wird mit einer Entscheidung gerechnet.

Postbank
Postbank-Zentrale in Bonn -Foto: ddp

BerlinDie Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat sich gegen einen Verkauf der Postbank ausgesprochen. "Bei einer Veräußerung, zum Beispiel an die Deutsche Bank, drohen tausende von Arbeitsplätzen verloren zu gehen", erklärte Verdi-Vorstand Uwe Foullong. Mit seinem Appell wandte sich Foullong an Deutsche-Post-Chef, Frank Appel, von dem er einen Verzicht auf den Verkauf der Postbank forderte.

Außerdem forderte Foullong die Bundesregierung auf, "endlich ihre beschäftigungspolitische Verantwortung" wahrzunehmen. Die Bundesregierung als Großaktionär der Post müsse "ihr Veto gegen einen Verkauf der Postbank" einlegen. Bereits die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank habe gezeigt, dass bei innerdeutschen Fusionen Arbeitsplätze verloren gingen, betonte Foullong.

Postbank-Angestellte bereit, für Kündigungsschutz zu streiken

Die Beschäftigten der Postbank seien daher gegen einen Verkauf ihres Instituts, erklärte Foullong weiter. Sollte sich die Post für einen Verkauf entscheiden, werde die Forderung nach einem langfristigen Kündigungsschutz einen "hohen Stellenwert" bei den laufenden Tarifverhandlungen bekommen, kündigte der Verdi-Vertreter an. Notfalls seien die Beschäftigten der Postbank auch bereit, dafür zu streiken. Die Tarifverhandlungen bei der Postbank werden am Freitag in Siegburg fortgesetzt.

Die Gespräche über einen Verkauf der Anteile der Post an der Postbank sind Medienberichten zufolge zuletzt wieder in Schwung gekommen. Demnach ist die Post inzwischen bereit, einen niedrigeren Preis als bislang zu verlangen. Gerechnet wird mit einer Entscheidung bis Freitag, wenn der Aufsichtsrat der Post tagt. Laut den Berichten könnte dann ein zumindest teilweiser Verkauf der Post-Anteile beschlossen werden, genauso aber auch ein vorläufiger Stopp des Postbank-Verkaufs. Post-Chef Appel hatte wiederholt betont, er stehe beim Verkauf der Postbank nicht unter Druck.

Verhandlungen führt die Post den Berichten zufolge vor allem mit der Deutschen Bank. Diese steht unter Druck, seit die Commerzbank durch den Kauf der Dresdner Bank ihre Position als Nummer zwei auf dem deutschen Markt hinter der Deutschen Bank deutlich ausgebaut hat. Den Berichten zufolge könnte die Deutsche Bank zunächst nur unter 30 Prozent an der Postbank übernehmen. Damit würde das Institut vermeiden, den anderen Postbank-Aktionären ein Pflichtangebot machen zu müssen.

Tarifabschluss für Beschäfigte von Postbank-Tochter

Indes erzielten Postbank und Verdi einen Tarifabschluss für die 5000 Beschäftigten der Postbank-Tochter Postbank Filialvertrieb AG. Der Abschluss sieht höhere Löhne und einen verlängerten Kündigungsschutz vor. Wie Verdi mitteilte, steigen nach dem in der vierten Verhandlungsrunde erzielten Tarifabschluss die Gehälter ab dem 1. Dezember um vier Prozent, im Dezember 2009 um weitere drei Prozent. Außerdem sei der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen um zweieinhalb Jahre bis zum 30. Juni 2011 verlängert worden. Als Gegenleistung für den verlängerten Kündigungsschutz verzichten die Mitarbeiter auf eine Minute bezahlte Pause pro Tag.

Wie Verdi weiter mitteilte, erhalten außerdem die 5000 beamteten Mitarbeiter des Unternehmens rückwirkend zum 1. August wieder die Postbank-Zulage von durchschnittlich etwa 70 Euro im Monat. Die Regelung war zum Jahreswechsel ausgelaufen, sie sollte das für Bundesbeamte im Jahr 2003 gestrichene Urlaubs- sowie das gekürzte Weihnachtsgeld ausgleichen. (nis/AFP)