Banküberfälle : Neue Masche der Bankräuber: Geldautomaten sprengen

Vier Geldautomaten sind innerhalb von fünf Wochen in Brandenburg gesprengt worden – aber nicht alle Versuche brachten die Täter auch ans Ziel. Diese leiten explosives Gas in die Geräte und zünden dann aus der Ferne.

Matthias Matern
Geldautomat Foto: ddp
Verwüstet. Am Dienstag jagten Unbekannte einen Geldautomaten in Kremmen in die Luft. -Foto: ddp

Friedersdorf/EberswaldeSchon das vierte Mal innerhalb von nur fünf Wochen wurde am Donnerstag in Brandenburg ein Geldautomat von bislang unbekannten Tätern gesprengt. Nachdem es erst am Dienstagfrüh in Kremmen (Oberhavel) zu einer Explosion in einem Bankpavillon kam, detonierte gestern gegen 1.40 Uhr morgens ein Geldautomat einer Sparkasse in Friedersdorf bei Königs Wusterhausen. Im Gegensatz zu dem Vorfall in Kremmen flohen die Täter jedoch aus unbekannten Gründen ohne die Geldkassette aus dem Automaten. Allerdings seien sowohl der Vorraum als auch der Schalterraum der Sparkasse schwer beschädigt worden, sagte Thomas Wilde, Sprecher des Schutzbereichs Dahme-Spreewald. Angrenzende Gebäude wurden aber nicht beschädigt.

Über den vermutlichen Tatverlauf wollte der Sprecher aus ermittlungstechnischen Gründen keine näheren Angaben machen. Es gebe aber Hinweise auf mindestens zwei Täter. Anwohner hätten beobachtet, dass kurz nach der Explosion ein Pkw, vermutlich der Marke Audi, in Richtung der Autobahn 12 Berlin–Frankfurt davongerast sei.

Insgesamt wurde in Brandenburg in diesem Jahr schon fünfmal versucht, auf ähnliche Weise an Bargeld zu kommen. Bereits Anfang des Jahres sprengten ebenfalls noch unbekannte Täter, allerdings erfolglos, in Ludwigsfelde einen Geldautomaten.

Die Vorgehensweise der Bankräuber sei dabei meist sehr ähnlich gewesen, sagte der Sprecher des Landeskriminalamtes in Eberswalde, Toralf Reinhardt. „Häufig haben die Täter von außen ein explosives Gasgemisch in den Geldautomaten eingeleitet und dann mit einem elektrischen Fernzünder die Explosion ausgelöst.“ Besonders häufig verwendet, so die Erfahrungen deutscher Ermittler, werden Wasserstoff, Propangas oder Acetylen, auch Schweißgas genannt, in Verbindung mit Sauerstoff. Nähere Details wollte Reinhardt nicht nennen. Wie das Bargeld im Automaten aufbewahrt wird, sei je nach Hersteller unterschiedlich, sagte er. In Kremmen und in Friedersdorf sei das Geld zusätzlich durch eine stabile Kassette gesichert gewesen, die die Täter nach dem Raub aufbrechen müssen.

Aus Sicht des Landeskriminalamtes entspricht die jüngste Häufung den Erfahrungen der Vergangenheit. „Wir haben beobachtet, dass es immer wieder zu einer Reihe ähnlicher Delikte in einem kurzen Zeitraum kommt“, sagte Reinhardt. Insgesamt elf Fälle seit 2005 führt die Brandenburger Polizei in ihrer Statistik. Bundesweit seien es mehr als hundert in den vergangenen vier Jahren. Dabei würden andere Bundesländer weit höhere Fallzahlen vorweisen.

Die Kette jüngster Fälle in Brandenburg begann am 29. September in Basdorf (Barnim). Geld konnte auch hier nicht gestohlen werden. Erfolgreich waren die Täter jedoch am 8. Oktober in einer Sparkasse in Mittenwalde (Dahme- Spreewald). Wie jetzt in Friedersdorf wollen auch dort Anwohner beobachtet haben, dass sich die Täter mit einem Audi in hohem Tempo vom Tatort entfernten.

Das Brandenburger Innenministerium erwägt nun die Einrichtung einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe.

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