Der Tagesspiegel : Bauer Degreif hat es satt – und tritt in den Hungerstreik

Umweltministerium verweigert Öko-Landwirt die Genehmigung für Häuslebau im Naturschutzgebiet

Reinhart Bünger

Stücken. Erich Degreif ist wohl der einzige Landwirt in Brandenburg, der seine 150 Hektar Land in einem Containerdorf verwaltet. Weil er sich auf Gut Breite seit 1994 kein Haus bauen darf, ist der 56-Jährige am 1. Mai in den Hungerstreik getreten. Er will das Umweltministerium zwingen, ihm eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Denn sein von gelben Eulen bewachtes Gut liegt im Naturschutzgebiet.

Seit 1994 bewirtschaftet Degreif seinen Hof aus einem alten Bauwagen des VEB Baureparaturen Pankow. Vor drei Jahren hatte der Öko-Landwirt schon einmal das Essen eingestellt, 20 Tage lang. „Ich habe mich darauf eingerichtet, dass es dieses Mal länger dauert“, sagt Degreif, der nur noch Wasser und Säfte zu sich nimmt. Im April 2000 hatte der hagere Mann seinen ersten Hungerstreik schließlich abgebrochen, weil ihm das Brandenburger Umweltministerium zugesichert hatte, dass er im Naturschutzgebiet endlich ein Betriebs- und ein Wohngrundstück erwerben könne, um seine gepachteten Flächen zu bewirtschaften. Mittlerweile ist er auch Eigentümer der beiden Hofgrundstücke. Doch bauen darf er dort trotzdem nicht. Das Ministerium erteilt keine Ausnahmegenehmigung zum Bau eines Wohnhauses, die Voraussetzung für einen Bauantrag im Naturschutzgebiet Nuthe-Nieplitz-Niederung.

Derzeit bringt Degreif bei einer Körpergröße von 1 Meter 86 noch 79 Kilo auf die Waage. Er bewegt sich gemessenen Schrittes über seinen Hof, zeigt Scheune, Pferdegeschirr, Misthaufen, Rinder und Schafe. Anstelle eines Wohnhauses kann er neben mehreren Bauwagen einen Büro-Container aus US-Armeebeständen vorweisen. Der war beim Abbau des Kontrollpunktes Dreilinden abgefallen. „Ich kann nicht wie früher die LPG-Arbeiter in einer Mietwohnung leben“, sagt Degreif, der seinem Vieh nahe sein will.

„Ich kann mich nicht in zig Gerichtsverfahren verzetteln“, sagt Degreif und verweist auf eine Klage, die seit 1999 beim Verwaltungsgericht Potsdam anhängig ist. Mit der Klage möchte er erreichen, dass er nicht nur Scheunen und Ställe, sondern auch ein Haus bauen darf. Doch trotz der Zustimmung des Umweltministeriums zu den Kaufverträgen verweigert dieselbe Behörde die zum Bau notwendige Ausnahmegenehmigung, die sie ursprünglich schon für beide Grundstücke – befristet für zwei Jahre – erteilt hatte. Das Ministerium will die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes abwarten.

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