Baugewerbe : Zeichen stehen auf Streik

Nach einer Woche Warnstreiks läuft bei der IG Bau die Urabstimmung. Die Gewerkschaft rechnet mit einer großen Mehrheit für einen Streik.

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Die Urabstimmung der IG Bau läuft. Wahrscheinlich wird gestreikt.Foto: ddp

Bei der Urabstimmung über einen Streik am Bau in Niedersachsen und Schleswig-Holstein rechnet die Gewerkschaft IG Bau mit einer überwältigenden Mehrheit für einen Arbeitskampf. Die Bauarbeiter seien sauer und wütend, weil die Arbeitgeber des Baugewerbes aus den beiden Ländern die Tarifeinigung gekippt hatten. Bei der Urabstimmung, die bis Freitag läuft, gibt es kein Mindestquorum.

IG Bau-Chef Klaus Wiesehügel will am Samstagmittag in Hannover das Ergebnis verkünden. Ab Montag könnte dann ein unbefristeter Arbeitskampf beginnen. Dieser muss sich dann aber nicht auf Niedersachsen und Schleswig-Holstein beschränken - auch in anderen Bundesländern könnte auf Baustellen von Unternehmen aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein gestreikt werden. An Warnstreiks beteiligten sich am Mittwoch nach Gewerkschaftsangaben erneut mehrere hundert Bauarbeiter.

Schlichterspruch abgelehnt

Die Arbeitgeber des Baugewerbes in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, die vor allem kleine und mittlere Betriebe vertreten, hatten den Schlichterspruch für die bundesweit gut 700.000 Beschäftigten am Bau abgelehnt und damit die Tarifeinigung gekippt. Die Verbände kritisierten die Höhe des Abschlusses und die aus ihrer Sicht zu unpräzise gefassten Öffnungsklauseln für angeschlagene Betriebe. In Niedersachsen arbeiten rund 70.000 Beschäftigte in der Baubranche, in Schleswig-Holstein mehr als 40.000.

Der Schlichterspruch sah zum 1. Juni ein dauerhaftes Einkommensplus von 3,1 Prozent vor. Hinzu sollte eine auf zehn Monate befristete Anhebung um 0,4 Prozent kommen. Darauf folgen sollten zwei weitere dauerhafte Erhöhungen zum 1. April 2008 um 1,5 Prozent sowie nochmals um 1,6 Prozent zum 1. September 2008. Von April 2008 bis März 2009 sollten die Unternehmen außerdem einen Zuschlag von 0,5 Prozent zahlen. Zudem sollte westdeutschen Betrieben in schwieriger Wirtschaftslage durch eine Öffnungsklausel ermöglicht werden, den Tariflohn per Haustarifvertrag um bis zu 8 Prozent zu senken. (mit dpa)