Der Tagesspiegel : Bauland statt Bunker

Militärgelände nahe des Olympiadorfes von 1936 wird frei geräumt

Claus-Dieter Steyer

Elstal - Auf dem riesigen ehemaligen Militärgelände westlich von Spandau arbeiten sich seit gestern wieder Abrissbagger durch meterdicke Betonwände. Bunker, Kasernen und eine Flugleitstelle der Wehrmacht sollen verschwinden und Einfamilienhäusern Platz machen. Die Deutsche Kreditbank (DKB) als Eigentümerin der Grundstücke rechts der Bundesstraße 5 zwischen der Berliner Stadtgrenze und dem Autobahnring will in Kürze 60 000 Quadratmeter erschlossenes Bauland zum Verkauf anbieten. Der Preis pro Quadratmeter liegt zwischen 75 und 82 Euro. Zum Areal gehören eine Fliegerschule und die Villa, in der einst der Kommandant des Flugplatzes auf der Straßenseite gegenüber wohnte. Für sie sucht die Bank noch Interessenten. Da sie nicht unter Denkmalschutz stehen, ist ein Abriss nicht ausgeschlossen.

Das kommt für die Reste des Olympischen Dorfes von 1936 gleich nebenan nicht in Betracht. Auch hier hat die DKB das Sagen, aber noch keine Interessenten gefunden. Im Gespräch waren lange Zeit ein Hotel, ein Wissenschaftszentrum und eine Rehabilitationsklinik. Das Olympische Dorf war gleich nach den Spielen von der Wehrmacht als Kaserne und Lazarett übernommen worden. „Wir brauchen hier eine zündende Idee“, sagt Bernd Drees, Bürgermeister der Großgemeinde Wustermark, zu der das Militärgebiet in Elstal gehört. „Ein Hotel jedenfalls trägt sich nicht allein. Da hätte ein Wissenschaftsareal schon eher Chancen.“

Während für das Olympiadorf die Vermarktung derzeit ruht, machen sich Bürgermeister und Bank über den Verkauf des benachbarten Baulandes keine Sorgen. „Die Menschen wohnen bei uns nicht nur im Grünen, sondern auch in der Nähe von vielen neuen Jobs“, versichert Gemeindechef Drees. „Das Factory Outlet Center Wustermark ist an eine neue Investorengruppe verkauft worden, die große Pläne verfolgt. Die Verkaufsfläche soll verdoppelt werden, so dass ich von einer Verdoppelung der jetzt bei 220 bis 250 liegenden Zahl von Jobs ausgehe.“ Gut entwickle sich auch das Güterverkehrszentrum am Schnittpunkt von Bundesstraße 5 und Autobahn, wo derzeit 1500 Menschen beschäftigt seien. Bis zum Jahresende würden außerdem eine Kita und die Erweiterung der Schule fertig gestellt. Seit der Wiedervereinigung sind in der Nachbarschaft des Olympischen Dorfes rund 1000 Wohnungen entstanden. Jetzt sollen mindestens 100 dazukommen.

Zur Lebensqualität trägt auch das Naturschutzgebiet „Döberitzer Heide“ südlich der B 5 bei. Die Stiftung des Tierfilmers Heinz Sielmann hat hier mit 3500 Hektar den größten Teil gekauft. Im Mai wurde ein Schaugehege mit Wildpferden, Wisenten und Hirschen eröffnet. Der 1910 eröffnete Militärflugplatz ist schon nicht mehr erkennbar. Die Natur hat das Areal zurückerobert.

Zur Geschichte des Militärgeländes ist beim Berliner Ch. Links Verlag das Buch „Flugplatz Döberitz. Geburtsort der militärischen Luftfahrt in Deutschland“ von Kai Biermann und Erhard Cielewicz erschienen (192 Seiten, 24,90 Euro).

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