Der Tagesspiegel : Baustadtrat in Potsdam: Eine heikle Personalie

Thorsten Metzner

Wer wird neuer Baustadtrat in Potsdam, zuständig unter anderem für den Aufbau des Stadtschlosses? Bei Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) liegen 78 Bewerbungen für den Schlüsselposten auf dem Tisch, der durch den kürzlichen Weggang des überlasteten Baubeigeordneten Michael Stojan nach Gladbeck ausgerechnet im Buga-Jahr vakant ist. Die Besetzung des Postens ist heikel. Denn es geht auch um den Fortbestand der bisherigen informellen Koalition von SPD, CDU und Bündnisgrünen in der Landeshauptstadt, die Platzeck bislang eine Mehrheit im Stadtparlament ohne die starke PDS sichert. Die Union droht nach Tagesspiegel-Informationen hinter den Kulissen mit dem Bruch, falls sie keinen eigenen Bewerber durchsetzen kann.

Allerdings ist plötzlich entgegen früheren Signalen Platzecks an die Union ein hoch angesehener SPD-Kandidat im Ring, was selbst die SPD-Rathausfraktion überraschte: der Wissenschaftler Christian Seidel, Vorsitzender des Bauausschusses. Jetzt stellen sich viele die Frage, ob es Platzeck selbst war, der Seidel dazu ermunterte, um das strategische Ressort nicht der CDU überlassen zu müssen. Jetzt stecke die SPD in einem Dilemma, so ein Genosse. Wenn sie sich auf Seidel verständige, da dieser sonst auch als Bauausschuss-Chef beschädigt wird, "platzt die Koalition." Dabei brauche Platzeck ein "ruhiges Hinterland."

Auch wenn sich aus Berlin der frühere Kreuzberger CDU-Baustadtrat Matthias Steffke beworben hat, favorisiert die CDU aus ihren Reihen die Neu-Potsdamer Anwältin Monika Geike-Bruder (40), die als unkonventionelle, kluge Baurechtsexpertin gilt und unter anderem den US-Architekten Peter Eisenman im Streit um das Berliner Holocoust-Mahnmal vertreten hat. In der hiesigen CDU trat Geike-Bruder, seit dem letzten Wahlparteitag stellvertretende CDU-Stadtvorsitzende, bislang kaum in Erscheinung. Nachdem Platzeck mit Beigeordneten bislang oft Pech hatte, ist diesmal die Bewerberlage "ohnehin deutlich besser", heißt es in Rathauskreisen.

Unter den Anwärtern ist unter anderem auch Erich Jesse, einst Referent des früheren Berliner SPD-Bausenators Wolfgang Nagel. Doch läuft alles - so die Stimmung in Rathaus und Fraktionen - wie bereits beim Kulturressort auf eine "einheimische Lösung" hinaus. Weitere Potsdamer Namen auf der Bewerberliste für das Amt: Jürgen Canehl (SPD), früher Geschäftsführer des Sanierungsträgers für die Potsdamer Innenstadt; Stadtplanungsamtsleiter Andreas Goetzmann; Uwe Preißler (SPD), Jurist und nach der Wende einige Jahre Bauexperte der bündnisgrünen Rathausfraktion; Uwe Neumann, Justitiar beim Deutschen Gewerkschaftsbund in Potsdam.

Wen Platzeck dem Stadtparlament vorschlagen wird, ist noch offen. Fest steht, dass Potsdams neuer Baustadtrat auf der Stadtverordnetenversammlung am 4. Juli gewählt werden soll.

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