Bayern München : Ribéry besorgt über riesigen Druck

Die Bayern sind Herbstmeister und trotzdem brodelt es im Verein. Jetzt meldete sich Franck Ribéry zu Wort und beklagt Panikmache.

Klaus Bergmann[dpa]
Ribery
Franck Ribéry -Foto: ddp

München Bundesliga-Star Franck Ribéry bereut seinen Wechsel zum FC Bayern München nicht, dennoch beklagt der französische Fußball-Nationalspieler einen überzogenen Druck und den Hang zur Panikmache beim Herbstmeister. "Was mich ein bisschen stört, ist, dass hier ein Riesendruck aufgebaut wird", sagte der 24-Jährige bei seiner ganz persönlichen Halbjahres-Bilanz. Ribéry zeigte sich förmlich irritiert über die große Unruhe, die nach den zuletzt deutlich schwächeren Leistungen rund um den Rekordmeister herrscht: "Ich glaube, hier wird zu leicht Panik gemacht", sagte der Franzose, der damit nicht nur auf die Medien zielte, sondern auch auf die Vereinsführung und das Umfeld der Mannschaft.

Ribéry räumte ein, dass auch er "ein bisschen frustriert" sei von den letzten Ergebnissen. "Aber wir haben immer noch ein gutes Team, haben immer noch eine gute Stimmung", betonte der Mittelfeldspieler bei der Pressekonferenz nach dem Training. Er glaube weiterhin an eine Erfüllung der Ziele und forderte Nachsicht mit der Mannschaft: "Wir sind auch nur Menschen." Zudem hofft der Wirbelwind, dass die Unruhe bei einem Sieg im letzten Spiel des Jahres (20.45 Uhr/ProSieben) gegen Aris Saloniki, der den Gruppensieg im Uefa-Pokal bedeuten würde, abflauen wird: "Ein Sieg ist ungemein wichtig für den Klub, für die Mannschaft, für die Fans. Dann könnten wir in der Winterpause besser Spannung abbauen und in Ruhe Gespräche führen."

Ratloser Ribéry

Eine echte Begründung für den starken Leistungsabfall beim Bundesliga-Tabellenführer hat Ribéry auch nicht parat. Auffällig seien die Probleme beim Toreschießen. Bei Trainer Ottmar Hitzfeld habe er dagegen "keine besonderen Veränderungen" festgestellt. "Er ist engagiert, spricht viel mit mir und ist immer verfügbar." Wenn es einmal nicht so gut laufe, "müssen wir solidarisch zusammenstehen", appellierte der Franzose an Teamkollegen und den Vereinsvorstand.

Kein Hehl machte der 24-Jährige daraus, dass ihn die jüngste Kritik von Kapitän Oliver Kahn an ihm irritierte. "Oliver Kahn ist jemand, für den ich viel Respekt habe, als Torwart und Mensch. Er ist unheimlich wichtig für die Mannschaft", betonte Ribéry. "Mich hat überrascht, dass er dabei über die Medien ging. Ich würde das im direkten Gespräch lösen. Aber er hat sich entschuldigt, für mich ist das vergessen", sagte Ribéry. Kahn hatte dem Franzosen in einem Interview vorgehalten, dass der FC Bayern als Klub ein anderes Kaliber sei als Olympique Marseille und ein paar gute Spiele in München nicht reichten.

Leitwolf fehlt

Als Chef des Teams betrachtet der Franzose den Kapitän übrigens nicht, vielmehr sieht er diese Position unbesetzt, wie er in einem Interview des Internetanbieters "spox" sagte: "Ich sehe zur Zeit keinen Spieler, der die Mannschaft dirigiert oder der auf den Tisch haut, wenn es schlecht läuft. Wir brauchen aber einen. Denn wenn wir in einem Tief stecken, wissen wir nicht, wie wir reagieren sollen."

Trotz der aktuellen Probleme sei sein Wechsel von Marseille nach München, für den die Bayern die Rekordablöse von 25 Millionen Euro bezahlten, richtig gewesen. "Nein, ich habe es nicht bereut, zum FC Bayern gekommen zu sein", versicherte Ribéry. Er fühle sich mit seiner Familie wohl in München, und die erste Halbserie sei sportlich insgesamt "gut" für ihn verlaufen. "Ich will hier weitermachen, auf jeden Fall", sagte der bis 2011 verpflichtete Profi, der am Sonntag als Frankreichs "Fußballer des Jahres" ausgezeichnet worden war. "Diese Auszeichnung ist schon wichtig, weil die Konkurrenz groß war."

Nach Ansicht von Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld war Ribéry sogar der Spieler der Hinrunde in der Bundesliga, auch wenn es dem laufstarken Franzosen zuletzt nicht mehr so oft gelang, die Gegenspieler mit seinen Tricks zu narren. Für Ribéry liegt das nicht nur daran, dass er am Jahresende "etwas müde" sei: "Ich werde jetzt viel enger gedeckt, oft habe ich zwei Gegenspieler." (ae/dpa)