Bayern München : Trainingsbeginn: Revolution mit Ansage

Heute beginnt beim Rekordmeister das Mannschaftstraining - unter Klinsmann soll bei den Bayern alles anders werden. Zwei Jahre nach dem WM-Sommermärchen startet Querdenker Jürgen Klinsmann zum Gipfelsturm auf den europäischen Fußball-Thron. Beim Trainingsauftakt an der Säbener Straße sind grade mal zwölf Profis anwesend - aber dafür ein neues Betreuer-Team.

Michael Fox[dpa]

München"Wir arbeiten seit Januar mit viel Elan daran. Ich freue mich wahnsinnig auf diese Aufgabe", sagte der 43-Jährige, der dem Start in seine dritte Karriere an diesem Montag mit dem FC Bayern der Zukunft entgegenfiebert. "Wir werden ein Energiefeld aufbauen, das den Spielern viel Spaß machen wird."

Klinsmanns Vorgänger Ottmar Hitzfeld erinnerte Klinsmann unterdessen an die Besonderheiten des Rekordmeisters: "Wenn du einmal unterliegst, siehst du die Wolken am Himmel, bei zwei Niederlagen ist es schon ein großes Gewitter", warnte der Erfolgstrainer in der Tageszeitung "Die Welt". Dass nach Jahren der internationalen Enttäuschungen für den deutschen Branchenprimus die Erwartungshaltung riesig ist, hatte Klinsmann aber schon bei seiner Präsentation im Januar erkannt: "Die Erwartungen beim FC Bayern sind die höchsten. Das ist naturbedingt."

Rummenigge: Neue Kultur für die Bundesliga

"Auch ich weiß nicht, was er noch alles ändern wird. Aber das ist eine neue Kultur für die Bundesliga", beschrieb Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge schon vor dem Trainingsauftakt auf der komplett neu gestalteten Vereinsanlage an der Säbener Straße die neue Zeitrechnung. "Diesen Schritt sind wir bewusst gegangen. Wir brauchen einen Mann, der Veränderungen herbeiführt, der sich das traut. Jürgen ist der richtige Mann dafür." Dass Klinsmann die Kraft zur Erneuerung besitzt, bewies er in seinen knapp zwei Jahren als Bundestrainer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). "Im Prinzip muss man den ganzen Laden auseinandernehmen", hatte Klinsmann angekündigt - und mit dem umjubelten WM-Auftritt Wort gehalten.

Frühzeitig hatte der FC Bayern, bei dem der 108-malige Nationalstürmer von 1995 bis 1997 alles andere als eine glückliche Zeit erlebte, mit der Verpflichtung Klinsmanns zunächst bis 2010 die logische Fortsetzung der nach Jahren der Zurückhaltung aggressiven Vereinspolitik verkündet. "Wir beim FC Bayern haben einen Mann gesucht, der neue Wege geht", sagte Manager Uli Hoeneß. "Wer es geschafft hat, den Problemfall Fußball-Nationalmannschaft, die 2004 am Boden lag, so weit zu führen, wie er es bei der WM geschafft hat, der wird das auch mit einer Mannschaft des FC Bayern schaffen."

Ein ganzes Helfer-Team für Klinsmann

Dass der Name Klinsmann den ohnehin stets immensen Druck auf den deutschen Rekordmeister noch erhöhen wird, wissen auch die Bayern-Oberen. Doch der neue Hoffnungsträger, der in München eine nie dagewesene Machtfülle erhält, geht das Unternehmen voller Zuversicht an: "Ich traue mir die Aufgabe ohne weiteres zu." Zur Seite steht ihm ein ganzes Team von Helfern. Der Mexikaner Martin Vasquez, von Klinsmann als "permanenter Antreiber" gelobt, ist Assistenzcoach, Ex-Profi Christian Nerlinger soll als Teammanager Hoeneß entlasten. Auch an Hilfe für frustrierte Profis wie etwa Luca "Toni Torlos" nach seinem EM-Debakel oder den in München unzufriedenen Lukas Podolski ist gedacht - mit dem früheren Bundesliga-Torhüter Philipp Laux steht ein Sportpsychologe bereit.

Alles wird anders, auf die Bayern-Profis wartet ein Acht-Stunden-Tag mit Training, Mittagessen und Wohlfühl-Zonen. "Jürgen möchte einfach alles professionalisieren", erklärt Rummenigge. Die Zukunft beginnt am Montag - Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. "Wir hatten in dieser Woche schon intensive Gespräche", sagte Hoeneß am Samstag mit Blick auf mögliche weitere Personalentscheidungen.