BBC-Reporter Johnston : "Es ist unglaublich gut, frei zu sein"

Nach fast vier Monaten Geiselhaft im Gazastreifen ist der BBC-Reporter Alan Johnston am Mittwoch freigekommen - und die Hamas lässt sich feiern.

BBC-Reporter Alan Johnston:
BBC-Reporter Alan Johnston: "Ich denke, ich bin o.k." -Foto: AFP

Gaza/JerusalemNach fast vier Monaten Geiselhaft im Gazastreifen ist der BBC-Reporter Alan Johnston am Mittwoch freigekommen. Seine Entführer übergaben den 45-Jährigen am frühen Morgen der radikal-islamischen Hamas, die den Gazastreifen seit drei Wochen kontrolliert. Sie bekamen dafür nach palästinensischen Angaben Straffreiheit zugesichert. "Es ist unglaublich gut, frei zu sein", sagte der körperlich unversehrte, aber abgemagerte Journalist der BBC. Kurz nach seiner Freilassung verließ er den Gazastreifen und reiste nach Jerusalem zum britischen Konsulat. Seine Befreiung wurde weltweit mit großer Erleichterung begrüßt.

Johnston war am 12. März von der bis dahin weitgehend unbekannten Gruppe Armee des Islam in Gaza verschleppt worden. Die Entführer, denen Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Qaida nachgesagt werden, hatten zuletzt die Freilassung mehrerer ihrer Kämpfer verlangt und mit der Ermordung des Journalisten gedroht. In einer Videobotschaft war Johnston mit einem um den Leib geschnallten Sprengstoffgürtel zu sehen gewesen. Der Hamas-Exilchef Chaled Maschaal sagte, seine Organisation bewerte die Freilassung als Beweis dafür, dass die Hamas wieder die Sicherheit im Gazastreifen gewährleiste.

"Ich denke, ich bin o.k.", sagte der 45-jährige Johnston nach seiner Freilassung in Gaza. "Es war ein außergewöhnlich hohes Maß an Stress und psychologischen Drucks für eine lange, lange Zeit (...) Ich fühle mich so gut, wie es eben geht", sagte er im Haus des abgesetzten palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija (Hamas). Hanija erklärte, die Entführung Johnstons habe im Widerspruch zu den Interessen des palästinensischen Volkes gestanden. Deshalb sei es der Wunsch der Hamas gewesen, dass der Reporter freikomme.

"Nie die Hoffnung verloren"

Der britische Premierminister Gordon Brown sprach in London von einer "guten Nachricht" und sagte: "Das wird eine große Erleichterung für seine Familie und Freunde sein und für alle, die für seine Freilassung gearbeitet haben." Auch die BBC äußerte sich mit großer Erleichterung. Der Sender dankte zudem den Menschen, die "unermüdlich" für Johnstons Freiheit gekämpft hätten. Johnstons Eltern sprachen ebenfalls ihren Dank aus. "Ich habe nie die Hoffnung verloren, dass er frei kommt", sagte seine Mutter.

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner erklärte: "Mehr als 100 Tage der Qual sind endlich vorüber." Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, er sei "froh und erleichtert, dass Alan Johnston nach vier langen Monaten der Gefangenschaft heute endlich wieder frei ist". Er forderte zudem eine Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Schalit.

Miri Eisin, Sprecherin des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert, sagte: "Wir hoffen, dass die Freilassung Johnstons alle daran erinnern wird, dass die Hamas Gilad Schalit seit über einem Jahr festhält und ihm seine Freiheit verweigert." Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri erklärte dazu, er hoffe, dass die Freilassung des BBC- Journalisten den Weg für eine Befreiung des Soldaten Schalit ebnen werde. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas begrüßte die Freilassung Johnstons. Sein Berater Jassir Abed Rabbo warf der Hamas jedoch vor, die Entführer des Journalisten "monatelang beschützt" zu haben. (mit dpa)