BBI-Bau : 140 000 Quadratmeter Wald müssen weichen

Die Planungsunterlagen für die Bahn zum Großflughafen BBI liegen aus – und werden von den Gegnern des Schönefeld-Ausbaus genau geprüft.

Stefan Jacobs

Das Tiefbauamt von Treptow-Köpenick befindet sich in Bohnsdorf, wo die natürlichen Feinde des Großflughafens Schönefeld zu Hause sind. Die grüne Siedlung am südlichen Stadtrand gehört zu den vom Fluglärm stadtweit am stärksten betroffenen Gebieten. Der Ernst der Lage lässt sich auch aus den Immobilienteilen der Zeitungen ablesen. Ein Beispiel vom vergangenen Wochenende: Einfamilienhaus, Neubau, auf 554 Quadratmeter großem Grundstück für 145 000 Euro. Das gibt’s nur in der Einflugschneise.

Auch im Tiefbauamt, einen Kilometer weiter nördlich gelegen, sind die Flieger durch die zwar geschlossenen, aber morschen Fenster zu hören. Eine Hand voll Leute stehen vor Wandkarten oder sitzen am Tisch des kahlen Raumes. Hier liegen die Planungsunterlagen für die östliche Eisenbahnanbindung des Flughafens aus, die bis zu dessen für Ende 2011 geplante Eröffnung gebaut werden soll: Zwei Gleise sollen zwischen Grünau und Eichwalde von der „Görlitzer Bahn“ abzweigen, so dass der Flughafen aus Nordosten und Südosten angebunden wird (siehe Karte). Die nördliche Kurve führt direkt nach Berlin, die südliche erschließt ein Einzugsgebiet, das über Cottbus bis weit nach Polen reicht, etwa nach Breslau mit seinen mehr als 600 000 Einwohnern. Weil ein schon existierendes, nur sporadisch genutztes Verbindungsgleis nach Schönefeld direkt an den Häusern entlangführt, soll die neue Trasse gut 200 Meter weiter südlich verlaufen, um Lärm und Erschütterungen von den Menschen fernzuhalten. Dafür allerdings müssen rund 140 000 Quadratmeter Wald abgeholzt werden, in denen 54 Vogelarten brüten.

Vor den Skizzen an der Wand schimpfen Anwohner auf die Planer, die eine Schallschutzwand nur für die Kurve vorgesehen haben. Am Tisch sitzt ein Rentner über den Ordnern und schreibt ein Blatt nach dem anderen voll. Eberhard Jauch ist Bohnsdorfer, Naturwissenschaftler und Mitglied im Bürgerverein gegen den Großflughafen in Schönefeld. In diesen Funktionen kämpft er sich durch die Papiere und sucht nach Widersprüchen. Gerade hat er einen Fehler gefunden: Von sechs untersuchten Varianten wurde unter Lärm-Gesichtspunkten diejenige für die beste befunden, wo die Gleise noch weiter weg von den Häusern liegen. In der Zusammenfassung auf der nächsten Seite belegt diese Variante aber nur noch den zweiten Platz. Auch hat Jauch widersprüchliche Zahlen zur Auslastung der Strecke gefunden: Mal sollen es vier Züge pro Stunde sein, mal mehr. „Das ist schludrig gemacht“, sagt Jauch, der seine Munition jetzt aber nicht weiter verschießen will. Schließlich braucht er sie noch für die Einwendungen gegen die Pläne, die er und seine Nachbarn schreiben werden.

Ein anderer Interessierter gesellt sich dazu, er ist aus Lankwitz gekommen. Hinter seinem Haus verläuft die „Dresdner Bahn“, also die künftige westliche Anbindung des Flughafens, um die vor allem in Lichtenrade heftig gestritten wird. Der Mann aus Lankwitz ist hier zur Ideensuche, wie man der Bahn Zugeständnisse abtrotzen könnte. Bevor er geht, tauschen Jauch und er Mail-Adressen aus und wünschen sich Glück.

636 Millionen Euro sind für die Bahnerschließung von Schönefeld eingeplant. Der Schallschutz für die Ost-Anbindung steht mit knapp zwei Millionen in den Unterlagen. Jauch sagt, in den Ordnern stehe mehr über die Auswirkungen der Trasse auf die Gräser als auf die Menschen. Aber wenn er die Gräser vorschicken kann, um den Menschen Vorteile zu verschaffen, soll es ihm recht sein.

Die Unterlagen können bis 12. September im Tiefbauamt Treptow-Köpenick (Dahmestr. 33, Raum 146) eingesehen werden: Mo-Mi 8 bis 16, Do 8-18, Fr 8-12 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar