BBI : Lärmkommission will Kurs bei Flugrouten festlegen

Das Gremium berät erneut über An- und Abflüge – Streit ist programmiert. Anwohner befürchten weiter eine starke Belastungen für den Südwesten Berlins.

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Grafik: Tsp
01.04.2011 15:01

Berlin/Potsdam - Weiter streiten oder doch gemeinsam eine Lösung finden: Am Montag wird sich auf der Sitzung der Schönefelder Fluglärmkommission zeigen, welchen Kurs das Gremium bei der Festsetzung der künftigen Routen für den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg einschlagen wird. Strittig sind die Anflüge und bei den Starts der Zeitpunkt für das Abbiegen der Maschinen. Auf der turbulenten Sitzung am 10. April hatten die Mitglieder ein Votum vertagt. Die Kommission hat dabei nur eine beratende Funktion, steht aber unter Zeitdruck.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) erwartet „bis Ende Mai ein Beratungsergebnis". Allerdings haben selbst Kommissionsmitglieder Zweifel, ob das zu schafen ist. Vorsorglich gibt es weitere Termine am 23. Mai und am 6. Juni. Nach einem internen Papier der Kommission für die heutige Sitzung, das dem Tagesspiegel vorliegt, ist eine Vorentscheidung für nach Westen startende Flugzeuge getroffen. Die Routen sollen sich demnach erst außerhalb des Autobahnrings auffächern, Potsdam und Werder (Havel) dadurch von Fluglärm verschont bleiben, ebenso Wannsee. Dazu heißt es in dem Papier: „Die Überfliegung des Forschungsreaktors Helmholtzzentrum soll vermieden werden.“ Auch das Müggelseegebiet soll nicht überflogen, Müggelheim und Erkner entlastet werden. Bei den Anflügen sollen Potsdam und die Havelseen möglichst geschützt werden.

Beim Startverfahren hatte das Gremium mehrheitlich empfohlen, Richtung Westen von der Nordbahn geradeaus zu fliegen und bei der Südbahn nach dem Abheben um 15 Grad nach Süden abzubiegen. Bei Starts gen Osten soll es auf der Nordbahn bei den Geradeausstarts bleiben; bei der Südbahn sollen die Piloten in der Regel fast unmittelbar nach dem Abheben scharf nach Süden abbiegen, um Zeuthen nicht zu überfliegen; schwere Maschinen, die diese Kurve nicht schaffen, sollen ebenfalls geradeaus fliegen, was nach internationalen Vorschriften aber nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich wäre. Die Voraussetzungen dafür werden derzeit geprüft.

Aber auch der Geradeausstart gen Westen werde Kleinmachnow, Teltow, Stahnsdorf und auch Wannsee oder Potsdam nicht vom Fluglärm entlasten, sagt Michael Lippoldt von der Bürgerinitiative „Weg mit Flugrouten über Kleinmachnow“. Die Piloten müssen die vorgebene Route nur bis zu einer Höhe von rund 1500 Metern) einhalten, danach können sie mit Zustimmung des Lotsen direkten Kurs auf ihr Ziel nehmen. Diese Höhe erreichen die meisten Maschinen bei Ludwigsfelde. Drehen sie bereits dort nach Norden ab, überfliegen sie die dortigen Kommunen. Bürgerinitiativen fordern deshalb, dass erst westlich Potsdams „aufgefächert“ werden darf.

Der Physiker Herbert Rinneberg von der Initiative „Lichterfelde gegen Fluglärm“ hat ermittelt, wie die Flugverläufe aussehen könnten, wenn die Piloten schnell abbiegen (siehe Grafik). Dazu nimmt er an, dass etwa 55 Maschinen am Tag so abbiegen würden; heute wird dieser Wert erst nach fünf oder sechs Tagen erreicht. Weil die Maschinen nach dem Abbiegen nicht exakt auf einer Linie fliegen, bildet sich am Himmel über den Tag verteilt ein imaginärer Fächer aus Flugspuren. Die Flugsicherung veröffentlicht die Flugverläufe täglich. Diese aktuellen Tageswerte mit jeweils etwa zehn Flügen hat Rinneberg zusammengefasst, um die beim neuen Flughafen im Endausbau erwarteten 55 täglichen Flüge bei Weststarts von der Nordbahn Richtung Norden und Osten simulieren zu können.

Anwohner beurteilen den dabei entstehenden Krach unterschiedlich. Während Lippoldt sagt, er werde bereits heute bei den noch wenigen Flügen regelmäßig aus dem Schlaf gerissen, sagen andere Bewohner in Kleinmachnow, die Flugzeuge seien zwar zu hören; störend sei dies aber nicht.

Richtung Osten ist das Auffächern nach Ansicht Rinnebergs weniger problematisch. Hier biegt man bei Erkner ab und fliegt Richtung Norden an Berlin vorbei. Drehen die Maschinen nach Westen ab, seien sie über der Stadt so hoch, dass sie kaum oder gar nicht mehr zu hören sind.

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