BBI : Schönefeld: Laut, aber preiswert

Was Anwohner von Schönefeld zu dem Urteil zugunsten von Flughafen-Geschädigten sagen.

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Schönefeld – Die Siedlung mit dem schönen Namen „Hubertus“ muss einmal idyllisch gelegen haben. Denn einer der Hauptwege heißt „Rehtränke“. Doch die ruhigen Zeiten sind längst vorbei. Denn nebenan liegt gleich der Flughafen Schönefeld. Ist der Krach der startenden und landenden Maschinen verstummt, dröhnt der Lärm gleich von zwei Autobahnen herüber – von der A 113 nach Tempelhof und vom Zubringer nach Grünau. Große Baufahrzeuge künden bereits das nächste Unheil an. Unmittelbar am Siedlungsrand entsteht die zweigleisige Eisenbahnstrecke für die östliche Anbindung des Großflughafens. Mindestens im Halb-Stunden-Takt werden hier die Expresszüge vorbeidonnern. Zum großen Erstaunen für Besucher halten die rund 30 Dauerbewohner und die fast doppelt so große Zahl von Datschenbesitzern ihrem Hubertus aber die Treue.

„Man gewöhnt sich an alles“, lautet die gängige Antwort der wenigen Einwohner. Natürlich hätten sie vom Urteil des Bundesverfassungsgerichtes gehört, das zwei lärmgeplagten Klägern beim Verkauf ihres Grundstücks an die Flughafengesellschaft eine höhere Entschädigung als bisher zubilligte. „Aber man ist hier irgendwie verwurzelt“, sagt ein älterer Herr, der hier seit 1968 lebt. „Nicht der Flughafen stört am meisten, sondern die neue Autobahn nach Berlin.“ Eine Nachbarin pflichtet ihm bei. „Da hilft auch kein Nachtflugverbot für den Flughafen, denn die Lastwagen fahren ja ununterbrochen.“ Dennoch wollte sie nicht weg. Es gebe schließlich Lärmschutzfenster.

Der zuständige Schönefelder Bürgermeister Udo Haase erwartet nach dem Urteil keinen Ansturm von Menschen mit „Absiedlungsanspruch“, wie er sagt. „Die meisten Umsiedlungen für den Flughafen sind gelaufen.“ Vielleicht würden sich aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aber auch rückwirkende Ansprüche auf einen höheren Grundstückswert ergeben. Wie berichtet, machten die Kläger geltend, dass der Wert ihres Grundstücks am Flughafenzaun schon seit 1996 und nicht erst mit dem 2006 erfolgten Planfeststellungsbeschluss erheblich im Wert gesunken sei.

Flughafensprecher Ralf Kunkel sprach von einem „detaillierten Einzelfall“, der nach der schriftlichen Urteilsbegründung sorgsam geprüft werde. Bei der Flughafengesellschaft hätte sich kein Betroffener gemeldet. Auch nicht aus dem lauten Hubertus. Claus-Dieter Steyer

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