Bedrohungsszenario : US-Polizei warnt vor "heimischen" Terroristen

Eine Studie der New Yorker Polizei kommt zu unerfreulichen Ergebnissen: Auch in den USA droht eine Zuwendung muslimischer Außenseiter zum Terrorismus. Das ist Wasser auf die Mühlen der Hardliner im Anti-Terror-Kampf.

New YorkDie Gefahr sei nicht so groß wie in Europa, aber sie bestehe, heißt es in einem Bericht des Polizeipräsidiums. Er führt auf 90 Seiten aus, wie sich Muslime in westlichen Ländern wie den USA in Einzelfällen zu gewaltsamen Extremisten entwickeln.

Die Erkenntnisse der New Yorker Polizei (NYPD) wurden von Befürwortern strikter Antiterrormaßnahmen umgehend begrüßt, schrieb die "New York Times". Dagegen warnten Bürgerrechtler davor, alle Muslime als potenzielle Terroristen zu brandmarken. Das Komitee gegen die Diskriminierung von Arabern in Amerika bedauerte die "unglückseligen Klischees" in dem Bericht. Polizeichef Raymond Kelly sagte, Polizisten müssten den Prozess der Radikalisierung verstehen, wenn sie Terroranschläge verhindern wollten.

Vier Phasen der Radikalisierung

Die NYPD-Untersuchung beruht auf der Analyse von elf Fällen aus den vergangenen sechs Jahren. Sie beschreibt die Radikalisierung als Entwicklung in vier Schritten. Unter den ersten Schritt fallen demnach die Lebensweise, der gesellschaftliche Status und die Religion eines Betroffenen unmittelbar vor Beginn des Prozesses. Danach folge der Beginn eines gewissen Interesses am militanten Islamismus.

Mit der Zeit lege der Betroffene seine alte Identität ab und definiere sich selbst neu. Persönliche Krisen, etwa der Verlust des Arbeitsplatzes oder Nachteile aufgrund seiner Rasse und Religion, könnten ihn in der letzten Phase dann in den Extremismus führen, ergab die NYPD-Untersuchung. (mit dpa)