Beelitzer Heilstätten : Lungenheilstätte, Lazarett und Filmkulisse für Tom Cruise

Vor 110 Jahren begann die Geschichte der Beelitzer Heilstätten.

DIE KRANKHEIT

Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts brach die Volksseuche Tuberkulose immer heftiger aus. Vor allem Arbeiter und Tagelöhner in den überbelegten Berliner Mietskasernen litten unter den hygienischen Bedingungen und der mangelhaften Ernährung. 1892 entdeckte Robert Koch den Tuberkel-Bazillus. Vor allem eine Stärkung des Organismus und viel Aufenthalt im Freien zeigten Erfolge. Die Landesversicherungsanstalt Berlin baute deshalb im Umland große Krankenhauskomplexe.

DIE LUNGENHEILSTÄTTE

Zwischen 1898 und 1930 entstand inmitten des Beelitzer Stadtwaldes die größte Anlage aus Lungenheilstätten und Sanatorien Deutschlands – jeweils getrennt für Frauen und Männer. Eisenbahn und Landstraße teilten das 140 Hektar große Grundstück in vier gleich große Bereiche. Die Patientenzimmer, die Liegehallen und Terrassen waren alle nach Süden ausgerichtet, um die Licht- und Sonneneinstrahlung zu nutzen. 1930 standen insgesamt 1200 Betten zur Verfügung.

DIE INFRASTRUKTUR

Gebaut wurden auch ein Postamt, ein Restaurant, eine Gärtnerei, Stallungen, Werkstätten sowie eine eigene Bäckerei und eine Fleischerei und ein eigenes Heiz- und Maschinenhaus mit einem 44 Meter hohen Wasserturm.

DAS MILITÄR

Schon im Ersten Weltkrieg diente die Anlage als Lazarett für 12 500 verwundete Soldaten. Erst 1918 wurden die Häuser wieder für zivile Patienten geöffnet. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges zogen erneut verwundete Soldaten ein. Zwischen 1945 und 1994 richteten die sowjetischen Truppen hier das größte Hospital außerhalb ihres Landes ein.

DER FLUCHTORT

Erich Honecker flüchtete sich im April 1990 in die Heilstätten, um sich in der Chefarztvilla unter russischem Schutz vor der deutschen Justiz in Sicherheit zu bringen. Am 13. März 1991 wurde er mit seiner Frau Margot Honecker nach Moskau ausgeflogen.

DER SERIENMÖRDER

Kurz vor und nach der Wende trieb ein Serienmörder dort sein Unwesen. 1991 tötete er die Frau eines russischen Chefarztes und dessen Kleinkind. Wolfgang Schmidt, „Rosa Riese“ genannt, wird 1992 wegen sechsfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

DIE FILMKULISSE

Auf dem Gelände entstanden Filmszenen für den Streifen „Männerpension“ mit Detlev Buck und Til Schweiger, für Roman Polanskis Film „Der Pianist“ oder erst jüngst für „Valkyrie“ mit Tom Cruise. (Ste)

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