Beisetzung in Friedrichshain : Trauerfeier für den DDR-Bürgerrechtler Ludwig Mehlhorn

Zur Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen Ludwig Mehldorn kamen viele Weggefährten aus seiner Zeit als Bürgerrechtler in der DDR.

Andrea Conrad
Foto: DAVIDS

Berlin - Es ist bei Totenfeiern seit einiger Zeit üblich, dass neben dem Sarg ein Foto des Verstorben aufgestellt wird. Auch beim Trauergottesdienst am Montagnachmittag in der Friedrichshainer St. Bartholomäuskirche für den am 3. Mai nach schwerer Krankheit verschiedenen Bürgerrechtler Ludwig Mehlhorn stand solch ein Bild neben den Kränzen und Grabgestecken, aber ein zweites hatte man rechts vom Altar noch dazugestellt, bunter, größer, symbolhafter – ein König David zeigendes Gemälde von Katrin Hattenhauer. Auch dem an die Trauergemeinde verteilten Heft mit den Liedtexten des Gottesdienstes lag es bei, ein, wie sich zeigte, sehr klug ausgesuchtes Kunstwerk.

Zu den Werken der Künstlerin, DDR-Oppositionelle auch sie, hatte Mehlhorn offenbar ein besonders Verhältnis – gerade auch zu ihrem David. „Warum hat er zwei Gesichter?“, habe er gefragt, erinnerte sich Rüdiger Sachau, Direktor des Evangelischen Akademie zu Berlin, in seiner Predigt. Auch Mehlhorn hat dort als Studienleiter gearbeitet.

Für Sachau wurde der David am Altar gleichsam das Leitmotiv seiner Gedanken zu Mehlhorn. Die helle und die dunkle Seite des Bildes, darin spiegeln sich für ihn dessen Willen zur Wahrheit, zugleich aber auch sein Schmerz über das Erfahrene. Die Königskrone aber, die David trage, das sei kein Symbol der Macht, vielmehr eines der Freiheit, der inneren Unabhängigkeit.

Zahlreiche Weggefährten Mehlhorns waren gekommen, das Kirchenschiff war bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch Markus Meckel, letzter Außenminister der DDR, und die Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe waren da, dazu viele Gäste aus Polen, der Tote hatte sich schon zu DDR-Zeiten um die Versöhnung mit dem Nachbarland verdient gemacht. Nach der Trauerfeier in dem Gotteshaus, einst ein Zentrum des DDR-Widerstands, wurde der Tote auf dem nahen Friedhof der Gemeinde begraben, auf dem zuletzt ein von der Gemeinde mehrstimmig gesungene Choral erklang: „Donna nobis pacem“ – Gib uns Frieden. Andreas Conrad

Eine ausführliche Würdigung Mehlhorns von Lutz Rathenow erscheint in Kürze auf der Nachrufe-Seite.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben