Benzinpreise : Zahltag an der Zapfsäule

Bei vielen Urlaubern ist der Ärger groß: Pünktlich zur Ferienzeit steigen die Benzinpreise fast auf Rekordhöhe. Schuld sind vor allem die hohen Weltmarktpreise für Rohöl. Die morgige Bekanntgabe der US-Ölbestände könnte für einen neuerlichen Preisschub sorgen.

Benzinpreise
Der Sommer bringt nicht nur Sonne: Auch die Benzinpreise steigen jährlich auf neue Rekordhöhen. -Foto: dpa

Die Benzinpreise in Deutschland sind zum Wochenbeginn kräftig gestiegen. Die großen Mineralölfirmen setzten die Preise um mindestens drei Cent je Liter nach oben und führten gleichzeitig in ihrem Tankstellennetz Mindestpreise ein, so dass die Erhöhungen regional noch deutlich kräftiger ausfielen. Superbenzin kostet damit im bundesweiten Durchschnitt wieder 1,40 Euro je Liter, Diesel 1,18 Euro. Das liegt nur wenige Cent unter den Höchstständen des Jahres. Sprecher der Konzerne begründeten Erhöhung mit dem Preisniveau auf den internationalen Ölmärkten. Der Rohölpreis hat fast sein Allzeit-Hoch aus dem vergangenen Jahr erreicht.

Derweil rechnet der Tankstellenbetreiber Westfalen AG (Münster) sogar mit weiteren Preissteigerungen beim Benzin. Wenn sich der Rohölpreis bei 70 US-Dollar pro Barrel einpendele, werde sich der Preis für Normalbenzin in Deutschland "nicht weit von 1,50 Euro entfernt" bewegen, sagte der Vorstandschef des Energiehändlers, Wolfgang Fritsch-Albert.

Vorwurf: Ölkonzerne nutzen Bahnstreiks aus

Benzinpreise
Super-Benzin für 1,40 Euro und mehr ist keine Seltenheit. Bald könnte auch die 1,50-Euro-Marke fallen. -Foto: dpa

Im Lichte der aktuellen Bahn-Streiks nährt sich auch der Verdacht, dass die Ölkonzerne die aktuelle Lage ausnutzten. Bundesweit sei Super in der Nacht zum Dienstag um bis zu acht Cent teurer geworden und koste nun teils über 1,40 Euro, teilte der ACE Auto Club Europa mit. Zwar sei der Rohölpreis derzeit hoch. Diese rechtfertige aber nicht "dermaßen abrupte Preisschübe", erklärte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Er warf den Konzernen "gnadenlose Preistreiberei" vor.

Schon in der vergangenen Woche war der Benzinpreis zu den ersten flächendeckenden Warnstreiks bei der Bahn ähnlich stark auf knapp unter 1,40 Euro gestiegen. Der ACE riet Kraftfahrern dazu, Preisschilder aufmerksam zu beobachten und die Zapfsäulen teurer Markentankstellen zu meiden. Durch sparsame Fahrweise könne ein Autofahrer bei einer Fahrleistung von 12.000 Kilometern im Jahr zudem rund 181 Liter sparen.

Am Montag kostete ein Barrel (159 Liter) Rohöl aus dem Fördergebiet der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) 71,36 US-Dollar und damit 22 Cent mehr als am vergangenen Freitag. Opec berechnet seinen so genannten Korbpreis auf der Basis elf wichtiger Sorten des Kartells.

Opec-Öl mit Rekordpreis

Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sank hingegen am Dienstag um 45 Cent auf 75,33 US-Dollar. Am Vortag hatte der Brent-Preis mit 76,34 US-Dollar noch ein 11-Monatshoch erreicht. Ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im August kostete zuletzt 71,87 Dollar. Das waren 32 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Markt warte auf die am Mittwoch zur Veröffentlichung anstehenden Rohöllagerbestände in den USA, sagten Händler. Im Blickpunkt stünden erneut die US-Benzinvorräte. Daneben beobachteten Marktteilnehmer die weiterhin angespannte Lage in Nigeria mit Sorge.

Verwiesen wurde zudem auf einen Bericht der Internationalen Energie Agentur (IEA) vom Montag. In dem Bericht wird vor Engpässen auf dem globalen Ölmarkt gewarnt. Die IEA rechnet bis zum Jahr 2012 mit einer deutlich steigenden weltweiten Ölnachfrage bei einem zugleich schwächeren Wachstum des Ölangebots. Auch geringe freie Förderkapazitäten der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hielten den Ölmarkt weiter eng, warnte die Agentur. (mit dpa)