Berater : Nach oben: Coaches helfen beim Erklimmen der Karriereleiter

Sie zeigen neue Wege – wenn sie gut sind. Denn nicht mit allen ist man gut beraten. Der Beruf ist nicht geschützt.

Sandra Fritsch
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Treppe rauf. Die Anforderungen an das berufliche Ich steigen. Pfeilen am Profil oder Probleme im Job - es gibt Coaches für alle...Foto: dpa

Stress mit den Kollegen, Aufgaben, die einen über den Kopf wachsen oder fehlende Motivation – fast jeder Arbeitnehmer, Selbstständige oder Manager kennt das Phänomen „Sackgasse“. Die Bandbreite der möglichen Ursachen ist dabei groß: Mitarbeiter, die nicht kooperativ sind, große Projekte die nicht voran kommen oder eine wachsende Unsicherheit, die den Entscheidungswillen bremst.

Gerade in verfahrenen Situationen oder bei Problemen, die alleine gar nicht mehr gelöst werden können, kann es sich lohnen, in einen Coach zu investieren. Der entscheidende Vorteil liegt dabei auf der Hand: ein externer Berater kann ein offenes Feedback geben, auch wenn es direkt und vielleicht nicht immer angenehm ist. „Es muss erst weh tun, bevor der Mensch etwas tut. Niemand würde einfach so einen Coach engagieren. Da muss die Situation schon sehr festgefahren sein“, erklärt Anja Mumm, die Vorstandssprecherin des Deutschen Coaching Verbandes.

Und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb – die Branche boomt; gerade in einer Zeit, in der der Leistungsdruck auf die Arbeitnehmer und auch die Chefetage wächst. Aber was kann ein Coach überhaupt leisten? Im Sport ist ein Coach im übertragenden Sinn der persönliche Berater des Athleten. Er stellt Trainingspläne zusammen und arbeitet die Stärken und Schwächen heraus. Ähnlich funktioniert das auch im wirtschaftlichen Bereich. „Ein Coach hilft, Probleme im Job zu erkennen, sich bewusst selbst zu reflektieren und einen passenden Lösungsweg zu finden. Nicht selten haben berufliche Schwierigkeiten ihre Wurzeln auch im privaten Bereich oder entpuppen sich als Beziehungsproblem. Das gilt es, abzuklären“, sagt Anja Mumm, die selbst als Coach arbeitet.

Ein Coach kann aber weder einen Steuerberater, Anwalt oder Arbeitsmediziner ersetzen, noch vorgefertigte Lösungen anbieten. „Wir kooperieren mit den Klienten auf Augenhöhe und suchen zusammen einen Weg. Es macht ja auch keinen Sinn, handfeste oder vorgefertigte Ratschläge zu geben. Wir brauchen eine aktive Mitarbeit unserer Klienten, da wir keine Patentlösung auf dem Silbertablett servieren können“, so Mumm. Natürlich stößt der Coach auch an Grenzen. Er ersetzt auch keinen Psychotherapeuten. Bei psychischen Problem, Depressionen oder Abhängigkeiten könne kaum geholfen werden, ist sich Anja Mumm sicher.

Die Suche nach einem optimalen Berater ist allerdings schwierig. Ganz grundsätzlich gilt hier: die Berufsbezeichnung Coach ist nicht geschützt. Damit darf sich jeder so nennen und auch in dem Bereich arbeiten. So besteht die Gefahr, auf der Suche nach einem Berater über schwarze Schafe zu stolpern. „Natürlich sind wir uns darüber bewusst. Deshalb muss die Ausbildung auch transparent gemacht werden. Wir müssen Qualitätskriterien definieren“, erklärt Sabine Graf vom Coaching-Center Berlin. „Wir bilden nach den Richtlinien unseres Berufsverbandes aus. Es gibt zwar mehrere Verbände in Deutschland, aber es fällt schon auf, dass die Vorgaben immer ähnlicher werden“, sagt sie.

Der Sachverständigenrat des Deutschen Bundesverbands Coaching (DBVC) hat kürzlich eine Orientierungshilfe zur Auswahl eines Beraters veröffentlicht. Darin sind mehrere Prüfsteine festgeschrieben, an denen man seriöse Coaches erkennt (siehe Kasten). Die European Coaching Association hat außerdem ein Berufsbild erarbeitet, das für mehr Transparenz sorgen soll. Ein professioneller Berater sollte unter anderem über Kritikfähigkeit, Beratungskompetenz und eine gute Methodenkenntnis verfügen. Schließlich muss er im Härtefall psychologische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse haben und auf Klienten in ganz unterschiedlichen Situationen eingehen können.

Den perfekten Berater am Ende zu finden, ist und bleibt aber schwer. Eine sichere Variante ist, auf Empfehlungen im Bekannten- und Kollegenkreis zu hören. Das raten sowohl die Stiftung Warentest als auch der Deutsche Bundesverband Coaching. Außerdem können diverse Internetplattformen wie www.coach-datenbank.de, www.co aching-information. de oder coach-register.de eine erste Anlaufstelle sein. Das empfiehlt auch Anja Mumm: „Sie bieten eine gute Vorauswahl. Erst im nächsten Schritt kommt es darauf an, den Berater näher kennen zu lernen. Das geht ausschließlich mit einem persönlichen Gespräch und auf gar keinen Fall nur über diese Internetplattform. Erst dann bekommt man überhaupt ein Gefühl dafür, ob die Chemie stimmt.“

Auch wenn die Gefahr, über Hochstapler zu stolpern gegeben ist, sieht die Stiftung Warentest noch ein ganz anderes Problem: „Es wäre nicht hilfreich, einen Coach zu engagieren, der zwar gut ist – aber vielleicht gar nicht hundertprozentig zum Klienten passt“, meint Alfred Cöpper von der Stiftung. Er empfiehlt, sich ganz grundsätzlich mehrere Angebote zu holen. „Das sollte auf jeden Fall gemacht werden, selbst wenn Sie beim ersten Berater sofort ein gutes Gefühl haben. Sie können nach einem einzigen Fachgespräch die mögliche Bandbreite, also was so ein Coach leisten kann, überhaupt nicht überblicken. Schon allein deshalb lohnen sich mehrere Angebote“, so Cöpper.

Es bringt weiterhin viel, sich den Werdegang, Referenzen und ein Coaching-Konzept vorlegen zu lassen. Das ermöglicht oft erst einen detaillierten Einblick, wie die Zusammenarbeit aussehen soll. Der Coaching-Report, der eng mit dem Deutschen Bundesverband zusammenarbeitet, empfiehlt auf seinen Internetseiten außerdem, sich über die Qualifikationen und die spezifischen Kenntnisse zu informieren. Es sollte niemand engagiert werden, der von sich behauptet, alle Probleme lösen zu können.

Ein letzter wichtiger Punkt sind die Kosten – Berater sind grundsätzlich nicht billig. „Eine klare Summe kann man gar nicht nennen. Die meisten Stundensätze fangen bei circa 100 Euro an. Nach oben hin sind da oft keine Grenze gesetzt – im Schnitt sollte jeder aber zwischen 150 und 250 Euro pro Stunde kalkulieren“, erklärt Anja Mumm vom Deutschen Coaching Verband. Deshalb wird jeder seriöse Berater auf jeden Fall eine Bedenkzeiten einräumen.

Wer sich bei der Coachwahl unsicher ist, kann sich direkt an die Berufsverbände wenden. Die helfen weiter und können auch Berater vermitteln. Die Stiftung Warentest rät außerdem, sich zu überlegen, ob eine Einzelberatung wirklich ein Muss ist. In einigen Fällen können bereits Kurse zur Karriereförderung helfen. Die sind auch deutlich billiger.

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