„A Long Way Down” : Filmpremiere mit Staraufgebot

Der Film „A Long Way Down” handelt von vier Lebensmüden auf einem Hochhaus. Zur Premiere bei der Berlinale blieb Hauptdarsteller Pierce Brosnan aber doch lieber auf dem sicheren roten Teppich.

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Vier Lebensmüde – zumindest im Film (von links nach rechts): Aaron Paul, Imogen Poots, Toni Collette und Pierce Brosnan.
Vier Lebensmüde – zumindest im Film (von links nach rechts): Aaron Paul, Imogen Poots, Toni Collette und Pierce Brosnan.Foto: afp

An sich wäre ohne Weiteres auch Matt Damon berechtigt gewesen, am Montagabend als einer der an „A Long Way Down“ Beteiligten über den roten Teppich vor dem Friedrichstadt-Palast zu marschieren. Zwar ist er in der Komödie keineswegs zu sehen, hatte keinen Drehtag, dürfte daher keine Gage bekommen haben. Aber er hat in der Geschichte um die vier auf einem Hochhaus zusammentreffenden Lebensmüden, die den Sprung in die Tiefe dann erst mal verschieben, doch eine nicht unerhebliche Rolle inne – als Engel. Die vier Suizidalen geraten nach dem Abstieg vom Dach geradewegs in die Medien, und vor laufender Kamera fabuliert die Quasselstrippe Jess drauflos, ein Engel sei ihnen erschienen, habe sie vor dem Selbstmord bewahrt. Ausgesehen habe er wie – Matt Damon. Die Klatschpresse, und nicht nur sie, ist begeistert.

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1 von 199Foto: Tobias Schwarz/rtr
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Kein Matt Damon bei der Filmpremiere

Trotzdem: Kein Matt Damon zur Premiere seines „zweiten“ Films dieser Festspiele, er hat die Stadt längst wieder verlassen, weilte gestern mit den anderen „Monuments Men“ bereits in Mailand. Aber die nicht nur virtuell, sondern real in „A Long Way Down“ mitwirkenden Schauspieler sind ja auch nicht zu verachten: Pierce Brosnan als geschasster, über Sex mit einer Minderjährigen gestolperter TV-Moderator, Toni Collette als alleinerziehende, völlig überforderte Mutter eines schwerstbehinderten Sohnes, Aaron Paul als lebensmüder Pizzafahrer mit gescheiterten Karriereträumen als Rockstar und schließlich Imogen Poots als ebenso fantasievolle wie liebenswert-freche Politikertochter mit einem Faible für Matt.

„Der Ruhm kommt und geht”

Mit Regisseur Pascal Chaumeil, Drehbuchautor Jack Thorne und Nick Hornby, dem Autor der Romanvorlage dieses Film wie zuvor schon von „About a Boy“ und „High Fidelity“, war die Teamgröße fast wieder auf „Monuments Men“-Maße gestiegen. Vielfache Chancen also für die Autogrammjäger bei der Premiere im Friedrichstadt-Palast und kurz zuvor vor dem Grand Hyatt, wo man die Stars auf dem Weg zur Pressekonferenz abpassen konnte. Die war dann allerdings alles andere als bis auf den letzten Platz besetzt. Die aufgrund des offenbar chaotischen Gedränges bei Clooney & Co. zur Kanalisierung der Journalistenmassen vorsorglich aufgestellten Absperrungen erwiesen sich als überflüssig. Aber so ist das eben: „Der Ruhm kommt und geht“, sagte Pierce Brosnan mit Blick auf seine Figur, aber es schwang doch mit, dass er dabei auch an eigene Glanzzeiten als James Bond dachte. Wobei er, in Mimik und Haltung meist sehr streng, korrekt, fast abweisend, sofort versicherte, dass ihn solche Schwankungen nicht sonderlich quälen: „Unterm Strich geht es doch um die Arbeit und darum, einfach da zu sein.“ Er liebe es, Schauspieler zu sein, und da habe Bond eine große Chance, ein ganz tolles Geschenk bedeutet, das ihm noch heute viel gebe. Er habe dadurch auch andere Filme drehen können, seine internationale Karriere gestartet.

Alle schwärmten sie von den tollen, vielschichtigen Rollen, die ihnen Nick Hornby und der Drehbuchautor beschert hätten. Für Toni Collette „ein lebensbejahender Film“, die mit ihren Kollegen auch ein Therapiezentrum für behinderte Kinder besucht hatte. Die Therapeuten hätten ihr dort gezeigt, wie sie im Film ihren Sohn umsorgen, wie sie ihm helfen könnte. Auch konnte sie sehen, wie liebevoll Eltern dort mit ihren Kinder umgingen – „ein schöner Ort“.

Nach der Gala sollte es zur Party ins Weekend an der Alexanderstraße gehen, im zwölften Stock im Haus des Reisens. Eine Feier im Erdgeschoss kam für einen Film über vier verhinderte Hochhausspringer wohl auch kaum in Frage.

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