• Ein Tierexperte zum Crash von Sau und Radler: „Vielleicht war das Schwein verliebt“

Ein Tierexperte zum Crash von Sau und Radler : „Vielleicht war das Schwein verliebt“

Christoph Stollowsky
Foto: Thilo Rückeis
Foto: Thilo Rückeis

Herr Ehlert, in der Nacht zum Dienstag hat ein Wildschwein einen Radler im Wald bei Friedrichshagen gerammt. Es rannte auf die Straße, der Mann stürzte und brach sich das Schlüsselbein. Hat Sie der Unfall überrascht?

Nein, in unseren Wäldern kommt so ein Unfall alle zwei bis drei Jahre mal vor. Auch Radler sollten im Wald das Tempo drosseln.

Warum rennt ein Wildschwein derart kopflos über die Straße?

Vielleicht war es ein verliebter Keiler. Bei den Wildschweinen ist nämlich von Oktober bis Januar die Rausch- und Paarungszeit. Eventuell war das Schwein im Friedrichshagener Forst aber auch eine aufgeschreckte Bache, die nicht mehr nach links und rechts guckte, weil sie ihre Rotte verloren hatte. Die weiblichen Säue sind ja ausgesprochene Herdentiere.

Muss man jetzt im Herbst und Winter in Waldgebieten besonders achtsam sein?

Unbedingt. Wildschweine sowie unser Reh- und Damwild sind ja dämmerungs- und nachtaktiv. Sie streifen nach Einbruch der Dunkelheit umher. Im Sommer, wenn die Sonne erst ab 21 Uhr untergeht, ist das kein Problem. Da ist die Rush Hour im Straßenverkehr längst vorbei. Jetzt wird es aber schon langsam dunkel, wenn die Straßen im Grunewald oder in den Köpenicker Forsten noch proppevoll sind. Das Problem wird sich durch die Umstellung zur Winterzeit am 27. Oktober noch verschärfen. Dann stehen die Schweine gerade auf, wenn der Berufsverkehr losrollt.

Wie viele Wildsäue leben in Berlin?

Der Bestand wird auf etwa 3000 Tiere geschätzt. Besonders zahlreich sind sie im Frühjahr, wenn die Frischlinge zur Welt kommen. In den vergangenen Jahren ist ihre Zahl in etwa gleichgeblieben. Rehe sind seltener, etwa 1400 Tiere bevölkern Berlins Wälder.







Derk Ehlert, 46,

ist seit zehn Jahren Wildtierreferent des Berliner Senats.

Mit ihm sprach

Christoph Stollowsky.

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