„Geo Special Berlin“ : Am Wasser gebaut

In einem neuen Magazin über Berlin darf David Bowie nicht fehlen. Ansonsten zeichnet das neue „Geo Special Berlin“ eine leicht konsumierbare Momentaufnahme der Stadt.

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Postkartenidylle. Das Wasser in der Innenstadt – hier die Spree am Bode-Museum – hebt das „Geo Magazin“ hervor, neben einigen Klischees.
Postkartenidylle. Das Wasser in der Innenstadt – hier die Spree am Bode-Museum – hebt das „Geo Magazin“ hervor, neben einigen...Foto: Paul Zinken/dpa

Hui, das ist grad noch mal gut gegangen. Unter dem dreiseitigen Ausklapp-Panorama der Spree von Osten her spricht David Bowie: „Berlin ist die größte kulturelle Extravaganz, die man sich vorstellen kann“. Das korrekte Todesdatum des Stars daneben zeigt: Beim neuen „Geo Special Berlin“ (9,50 Euro) handelt es sich um ein aktuelles Produkt.

Solche Zwitter zwischen aktuellem Magazin und Reiseführer haben nur dann eine Chance am Kiosk, wenn sie gründlicher als die einen und schneller als die anderen sind – hier funktioniert das insgesamt ganz gut.
Eine andere Frage ist natürlich: Wer gehört zur Zielgruppe? Die Eingeborenen, sofern interessiert, kennen das meiste, und die Touristen suchen vielleicht ganz andere Wege. Der hier gewählte Kompromiss liest sich so, als habe die Redaktion vor allem auch junge Neubürger ins Auge gefasst, denn die Reiseführer-Realität kommt kaum vor.

Nicht frei von Klischees

Adlon und Brandenburger Tor und all die anderen Klassiker tauchen allenfalls mal am Bildrand auf, und sogar die Sterneküche lastet allein auf den Schultern von Tim Raue.
Aber so ist das nun mal bei solchen Produktionen: Ein Thema, das reinkommt, verdrängt fünf andere, und wer Lücken sucht, der findet auch welche. Und dass die Leute gegenwärtig über Neukölln und Charlottenburg mehr reden als über Kreuzberg und...

Kreuzberg, das spiegelt sich in der Wahl zweier Rundtouren durch eben jene Bezirke, allerdings szenegeneigt und nicht frei von Klischees, wenn da steht, die Westberliner Boheme schlendere über den Savignyplatz.

Straßenmusik und schräge Hotels

Das ewige Leiden der Stadt an sich selbst wird nur lind thematisiert in ironischen Texten, die sich mit den Konvulsionen des hochkulturellen Lebens und denen der Stadtplanung befassen; Dank gilt der Redaktion dafür, dass der Flughafen BER nicht mal erwähnt wird.

Ein immer gern genommener Selbstläufer sind die Kreativen der Stadt, die ganz stimmig skizziert werden. Ein paar Prominente wie Max Raabe oder Dieter Kosslick geben beiläufig darüber Auskunft, wie sich ihr Leben in der Stadt anfühlt, die kulinarische Szene zwischen Markthalle IX und Supperclubs wird wohl ein wenig überbewertet, eine opulente Bildstrecke widmet sich dem Wasser in der Innenstadt, und auch das – saisonal stark schwankende – Phänomen der Straßenmusik wird beleuchtet, der Leser lernt ein paar interessante Menschen kennen.
Bei der kleinen Auswahl der Hotels liegt der Schwerpunkt auf dem Schrägheitsgehalt, und fürs östlich geprägte Herz gibt’s einen Rausschmeißer, nämlich Philipp Kösters reich bebilderten Essay über die eiserne Union. Eine ganz gut balancierte Momentaufnahme zum schnellen Lesen, bevor alles schon wieder ganz anders ist.

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