Berlin : 1 : 0 für Berlins Fußballvereine

Nach der Weltmeisterschaft gibt es einen Ansturm auf die Klubs Manche müssen Wartelisten eröffnen. Auch viele Mädchen wollen mitspielen

Annette Kögel

Kick it like Ballack: Die Fußball-Weltmeisterschaft beschert Berlins Sportvereinen einen regelrechten Boom. „Es gibt einen Run auf die Fußballvereine“, sagt Frank Schlüter vom Berliner Fußball-Verband, „einige Klubs müssen jetzt sogar Wartelisten eröffnen“. Einer der Vereine mit den größten Jugendabteilungen in Berlin, der FC Hertha 03 Zehlendorf, vertröstet Eltern von Jungen und Mädchen nun schon auf den Herbst. „Bei unseren Freiwilligen auf der Fanmeile haben sich auffällig viele Mädchen und Frauen nach Trainingsmöglichkeiten erkundigt“, sagt Michael Stüwe-Zimmer, Geschäftsführer und Jugendleiter bei Hertha 03.

„Bei uns fragen jeden Tag fast ein Dutzend Mütter und Väter nach, wo sie ihr Kind im Verein anmelden können“, sagt Stüwe-Zimmer. Die Telefone bei den 300 Berliner Fußballvereinen mit derzeit knapp 100 000 Mitgliedern klingelten aber auch schon vor der WM häufig. „Da haben der Deutsche Fußball-Bund, die Uefa und die Fifa anlässlich der WM Nachwuchskampagnen gestartet“, sagt Frank Schlüter vom Berliner Fußball-Verband.

Dass Vereine wie Hertha 03 Interessenten vertrösten müssen, liegt aber selten an mangelnden Umkleidekabinen oder Sportplatzkapazitäten. „Wir haben nicht ausreichend Ehrenamtliche und qualifizierte Trainer, um die Kinder betreuen zu können“, sagt Michael Stüwe-Zimmer. Viele Väter und Mütter schafften es angesichts der gestiegenen beruflichen Anforderungen nicht mehr, nachmittags um vier auf dem Platz zu stehen. Dabei gäbe es für Ehrenamtliche genug zu tun: Mädchen und Jungen müssen zum Training gebracht, während der Spiele am Wochenende betreut oder für die Schiedsrichter-Lizenz angemeldet werden. Unparteiische gibt es aber genug, denn jeder Verein müsse eine gewisse Anzahl von Schiedsrichtern ausbilden.

Bald wird FC Hertha 03 Zehlendorf wegen der Nachfrage seine Mitgliederstatistiken nach oben korrigieren können: Derzeit trainieren bei dem Klub 1300 Mitglieder, darunter 850 Jugendliche. „Mir macht das viel Spaß, weil ich mit meinen Freunden zusammen spielen kann“, sagt der siebenjährige Julian Jantschura. Friederike, 11, findet „die Trainer bei Hertha 03 toll“.

Die Euphorie, die die WM ausgelöst hat, kennen die Damenabteilungen der Vereine schon seit 2003, damals wurden die deutschen Fußballerinnen Weltmeister. Im Berliner Verband gibt es einen Frauenbeauftragten, eine Mädchensachbearbeiterin, der DFB will nun in Berlin eine Stelle zur Koordination des Mädchenfußballs schaffen.

Dass Klinsmann als Bundestrainer aufhört, dass Materazzi und Zidane auf dem Platz alles andere als Fairplay vorgeführt haben, und einige Kicker eher Weltmeister im Fallenlassen sind, trübt die Stimmung wenig. „Natürlich werden diese Vorfälle auch in den Vereinen diskutiert“, sagt Michael Stüwe-Zimmer, „aber der Begeisterung für den Sport tut es keinen Abbruch. Wir alle schweben immer noch auf Wolke sieben.“

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