Berlin : 1:0 für Klassik

Neuer DSO-Chef lief sich warm für Berlin

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Keine Sportlerwaden füllen am Sonntag die Großbildschirme auf der Fanmeile, keine Trikots, kein Spielerschweiß, sondern Holz, Blech und feine Anzüge. Das Deutsche Symphonie Orchester spielt auf zum Finale des WM-Kulturprogramms und umkreist mit einem wilden Crossover-Set der Orchestermusik den Globus, von Bernstein über Brahms zu Schostakowitsch. Der künftige Trainer des DSO hätte keine schönere Gelegenheit finden können, sich in Berlin vorzustellen. Ingo Metzmacher wird im September 2007 Chefdirigent. Der bekennende Kicker hält über die gesamten 90 Minuten Spiellänge den thematischen Fuß-Ballkontakt. In Beethovens „Coriolan“-Ouvertüre hört er die Welle vor dem Freistoß, Bernstein kündet in seinen Ohren von klinsmann- schem Optimismus. Metzmacher gleicht dem Bundestrainer in seinen Sonnyboy- und Versöhnungsqualitäten: Klassikfans lauschten friedlich mit Fanmeilenjunkies. „Erholsam“ sei die Atmosphäre, sagen zwei Biertrinker, die sich in sicherem Abstand an der Fressmeile niedergelassen haben, aber auch „ein bisschen unheimlich“. Sie meinen sicher den russischen Geigenstar Maxim Vengerov , der für sein berauschendes Spiel Begeisterungsstürme erntet. Metzmacher nennt ihn den „Ronaldinho der Geiger“.

Man nimmt Metzmacher, auch von der Statur eher ein Lehmann als ein Nagano, den Fußballer fast mehr ab als den Musiker. Wenn er bei Verdi in die Knie geht, um dann plötzlich aufzuspringen, denkt man: Gleich rennt er los, die Fanmeile hinunter, an der Siegessäule vorbei weiter zur Masurenallee in den Probensaal des RBB. Aber das kommt erst nächstes Jahr. Vorerst steht er am Pult und geht in die Verlängerung: „Märsche, um den Sieg zu verfehlen“ heißt das feurige Stück des Argentiniers Mauricio Kagel. Glück, dass dessen Landsleute nicht so gespielt haben wie das DSO. Das streift sich nun multinationale Fußballtrikots über und stimmt an: „We are the Champions“. Alles grölt mit und die Feuerzeuge gehen hoch. Metzmacher hat Fans gefunden. klr

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