Berlin : 1,8 Kilo Kokain im Handgepäck

Prozesse gegen zwei Drogenhändler: Beide legten Geständnisse ab

Der kleine Koffer, mit dem Johnson A. aus dem Flugzeug stieg, sollte ihm 5000 Euro bringen. Das hätten ihm seine Auftraggeber in Afrika versprochen, sagte der 28-Jährige gestern vor dem Landgericht. Er hatte sich als Drogenkurier anheuern lassen. Der Transport des Koffers mit doppeltem Boden aber endete im Oktober am Flughafen Tegel. Mit 1,8 Kilo Kokain im Handgepäck war A. gefasst worden.

Ein umfassendes Geständnis wirkt sich strafmildernd aus. Darauf hatte in einem anderen Gerichtssaal auch der Angeklagte Senel K. gesetzt. Der 40-Jährige musste sich als Dealer verantworten. Er hatte rund zehn Kilogramm Marihuana im Wert von rund 32 000 Euro verkauft. Außerdem hatte er teilweise mit einem Komplizen in einer Weddinger Wohnung mindestens 60 Kilo Marihuana und Haschisch gelagert, um es zu vermarkten.

Im Falle des Gelegenheitsarbeiters Senel K. liegen die Taten knapp fünf Jahre zurück. Ein anderer Dealer soll ihn bei der Polizei verraten haben. Dieser Mann aber sei inzwischen in der Türkei untergetaucht, hieß es am Rande des Prozesses. Senel K. lebt seit einigen Jahren mit Frau und Kind in Polen. Dort war er schließlich im vergangenen August verhaftet und kurz darauf ausgeliefert worden. Seitdem befand er sich in Untersuchungshaft.

Dass er bald wieder zu seiner Familie nach Polen zurückkönne, war die große Hoffnung des einstigen Dealers. Nach seinem Geständnis gab es für K. tatsächlich die ersehnte Chance. Zwei Jahre Haft auf Bewährung verhängte das Landgericht. Strafmildernd wurde auch berücksichtigt, dass der damalige Dealer mit weichen Drogen handelte und seine Taten lange zurückliegen.

Die Verhandlung gegen den mutmaßlichen Drogenkurier wird in zwei Wochen fortgesetzt. Familienvater Johnson A. ist schon einschlägig vorbestraft. Er muss mit einer mehrjährigen Gefängnisstrafe rechnen. K.G.

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