Berlin : 1. FC Union: Eiserne Freudentränen

Lothar Heinke

Köpenick im Fußballrausch: Der 1. FC Union hat den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft, richtig gefeiert wird nach dem letzten Heimspiel am 9. Juni gegen den KFC Uerdingen.

Zuvor schmieden die Fans wilde Pläne für Aktionen zum Pokalfinale am 26. Mai im Olympiastadion gegen Schalke 04 - bei diesem Fußballfest soll ein ganzer Block voll "perückter Unioner" sitzen. Für 15 Mark gibt es rote Perücken, die Nachfrage übersteigt zur Zeit bei weitem das Angebot.

Und als dritter Stern im siebten Fußballhimmel leuchtet die Teilnahme der Kicker von der Alten Försterei am Uefa-Cup-Geschehen: Dank Schalkes Teilnahme an der Champions League wird zum ersten Mal in Deutschlands Fußballgeschichte eine Regionalliga-Mannschaft an diesem internationalen Pokalwettbewerb teilnehmen. Alles Gründe zur Freude nicht nur in Köpenick oder Oberschöneweide (wo Unions Wurzeln liegen), sondern in ganz Fußball-Berlin.

Zum Thema Online Spezial: 1. FC Union Offenbar hatten die Leute vom Bezirksamt einen guten Riecher und viel Vertrauen in die zukunftsträchtigen Leistungen ihrer Unioner, als sie die Ausstellung "Vom Spielkaiser zu Bertis Buben" engagierten. Diese Schau präsentiert auf 49 Tafeln die Geschichte der Jagd nach dem runden Leder von den Anfängen bis zur Gegenwart, sie wurde 1999 von der Volkshochschule Aachen zusammengestellt und wird in Berlin mit lokalen Impressionen ergänzt: So werden sich die großen Berliner Clubs mit ihren Geschichten ebenso vorstellen wie traditionsreiche Vereine aus dem Berliner Südosten - Burgund Friedrichshagen, der SSV Köpenick 08, der Grünauer BC oder der Adlershofer BC 08. Und gleich am Anfang der Schau erfährt man denn auch, dass 1888 in Berlin der erste Fußballklub gegründet wurde - Germania 88, dessen Mitglieder damals nur mit Trikot den Spielplatz auf dem Tempelhofer Feld betreten durften. Heute spielt der BFC Germania 88 auf dem Platz an der Tempelhofer Götzstraße und hat als Zweiter in der Bezirksliga alle Chancen zum Aufstieg in die Landesliga.

Die Ausstellung wird im Rathaus Köpenick am kommenden Donnerstag, dem 17. Mai, um 18.30 Uhr eröffnet und ist bis einschließlich 12. Juni werktags von 8 Uhr bis 21 Uhr zu besichtigen. Zur Eröffnung kommen Prominente des Berliner Fußballs, und am Sonntag, dem 20. Mai um 11 Uhr steigt eine "68er-Union-Pokal-Revival-Party" mit dem Team, das anno 1968 in Halle gegen den FC Carl-Zeiss Jena das FDGB-Pokalendspiel gewann - und dann nicht starten durfte, weil die Politik dazwischen kam: Der Westen protestierte gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die CSSR zur Niederschlagung des Prager Frühlings und wollte nicht gegen Ost-Mannschaften antreten.

Ein Uefa-Kompromiss sah vor, dass die Ost- und West-Vereine zunächst unter sich spielten und erst die beiden Besten im Finale den Sieger ermittelten. Union hatte anfangs den jugoslawischen FC Bor als Gegner zugelost bekommen, bei der zweiten Auslosung war es Dynamo Moskau. Die Eintrittskarten waren schon gedruckt, da zogen die sozialistischen Länder ihre Vereine zurück, weil sich die Funktionäre diskriminiert fühlten.

33 Jahre später liegt der 1. FC Union im Lostopf des Uefa-Cups - eine späte Genugtuung nicht nur für "Jimmy" Hoge, den Dribbelkünstler aus der alten Pokalcrew, der es noch immer nicht fassen kann: "Union im Europapokal - ein Traum wird wahr!"

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben