Berlin : 1. FC Union will sein Stadion möglichst schnell umbauen

Doch noch gehört dem Traditionsverein die Alte Försterei nicht. Der Senat muss die Übertragung für einen Euro in Brüssel genehmigen lassen

Matthias Jekosch

Eigentlich wollen sie ja nur spielen. Das kann der 1. FC Union in seinem Stadion an der Alten Försterei allerdings nur unter Auflagen und ganz sicher nicht hochklassig. Die Lizenz für eine Profiliga ist in Gefahr, wenn der Verein, der in der Regionalliga – der dritthöchsten Spielklasse – antritt, das Stadion nicht saniert. Die 87 Jahre alte Spielstätte bröckelt an vielen Stellen. „Wir müssen hier weiter vernünftig Fußball spielen können“, sagt Geschäftsführer Oskar Kosche.

Das finden auch der Bezirk Treptow- Köpenick und das Land Berlin. Letzteres kommt dem Verein so weit entgegen, dass es ihm das Stadion für den symbolischen Wert von einem Euro überlassen will. Doch das geht nicht ohne den Umweg über Brüssel. Derzeit prüft der Liegenschaftsfonds, wie er vorgehen soll. Bei dem Betrag, der einer Schenkung gleichkäme, will sich das Land auf der rechtlich sicheren Seite bewegen. Angaben darüber, wie lang sich dann so ein Verfahren hinziehen wird, kann niemand machen.

Der Verein wird deshalb ungeduldig. Vereinspräsident Dirk Zingler kündigte bereits an, notfalls schon auf eigene Faust mit „Zwischenschritten“ zu beginnen. Auch Kosche geht davon aus, dass sich Bezirk und Senat nicht dagegen wehren würden, wenn der Verein schon erste Arbeiten durchführen würde. In der Senatsverwaltung für Inneres und Sport wiegelt ein Sprecher jedoch ab: „Ein Baubeginn vor dem Geländekauf ist allein aus finanziellen Gründen unrealistisch.“ Tatsächlich plagen den Verein Schulden. Und auch die eigens gegründete Kapitalgesellschaft, die für den Stadionbau und späteren –betrieb zuständig ist, kann nicht auf Investoren zählen, solange die Schenkung des Stadions an den Verein nicht geklärt ist. Kosche ist jedoch sicher, dass innerhalb von Monaten genug Sponsoren bereitstehen würden.

Die Zukunft der Alten Försterei bleibt somit unklar. In einer möglichen Variante für 17 Millionen Euro würde die Sitzplatztribüne neu gebaut und die Stehplätze würden saniert. „Wenn wir etwa 40 Logen und mehr Zuschauer hätten, hätten wir auch Einnahmen, die wir jetzt nicht haben“, sagt Kosche. Laut Planungen sollen nach dem Ausbau bis zu 23 000 Zuschauer in das Stadion passen. Auch der Name der Alten Försterei könnte neu vergeben werden, selbst wenn der Köpenicker Traditionsverein dadurch einiges an Tradition einbüßen würde.

„Ohne eine Weiterentwicklung wird der Verein nicht lange existieren können, oder sich zumindest von seinen Zielen verabschieden müssen“, sagte Kosche. Als Saisonziel hatte Zingler angepeilt, mindestens die künftige Dritte Bundesliga zu erreichen. Durch die Umstellung der Ligen im kommenden Sommer steigen die ersten beiden Mannschaften der jetzigen Regionalliga Nord in die Zweite Liga auf. Platz drei bis zehn spielen in der folgenden Saison in der neuen Dritten Bundesliga. Die restlichen Vereine bleiben in der dann nur noch viertklassigen Regionalliga Nord. „Wir planen mit allen Varianten“, sagt Kosche. Der 1. FC Union liegt derzeit im Mittelfeld.

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