Berlin : 1. Mai: Cheerleader der Polizei hüpfen zur Feier des Tages

Otto Diederichs

Die Polizei gibt sich große Mühe, die Veranstaltungen zum 1. Mai mit eigenen Ideen und Initiativen zu entschärfen. Besondere Gedanken hatte sie sich um die Walpurgisnacht - den Vorabend - gemacht, die durch die traditionelle Frauen-Demonstration geprägt ist. Nach den Vorstellungen der zuständigen Polizeidirektion 7 sollte in Prenzlauer Berg an diesem Abend ursprünglich ein grosses Rockkonzert stattfinden. Doch dafür fand die Polizei keinen Veranstalter. Der Plan scheiterte an der Finanzierung und dem Widerstand der Anwohner.

Inzwischen will die Turnerjugend, die Nachwuchsorganisation des Berliner Turnerbundes, dort im Mauerpark am 30. April ein Familienfest organisieren. Geplant ist ein sportliches Fest mit Hüpfburg, Geschicklichkeitsspielen, Gesundheitsinformationen, einem Streichelzoo und abschließendem Lampionumzug. Mit der Cheerleadergruppe ihres Sportvereins wird auch die Polizei mit dabei sein. Daneben veranstaltet sie im nahe gelegenen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark am Nachmittag ein eigenes Fußballturnier für Jugendliche.

Seit den schweren Auseinandersetzungen der letzten Jahre richtet sich die Aufmerksamkeit der Behörden aber vor allem auf die politisch geprägten Veranstaltungen. Eine genaue Zahl der zu erwartenden Demonstrationen und Kundgebungen konnte die Innenverwaltung gestern nicht nennen. Die meisten fallen jedoch traditionell auf die Veranstaltungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Die "Revolutionäre 1. Mai Demonstration" der Autonomen wird daneben am frühen Abend in Kreuzberg beginnen. Bereits nachmittags um 14 Uhr findet der Umzug der "Revolutionären Internationalen Marxisten" vom Oranienplatz zum Kottbusser Tor statt. Ebenfalls nachmittags beginnt eine Demonstration der rechtsradikalen NPD durch den Bezirk Mitte nach Lichtenberg.

Unter dem Motto "Das Ende der Gewalt" haben die Autonomen für 18 Uhr zu ihrer Mai-Demonstration aufgerufen. Sie soll wieder auf dem Kreuzberger Oranienplatz beginnen. Ob zerschlagene Schaufensterscheiben oder angezündete Autoreifen aus den letzten Tagen jetzt schon auf Ausschreitungen in diesem Bereich hindeuten, wie die Polizei derzeit zu klären versucht, ist unklar. Die Aufrufe sind widersprüchlich.

"Der 1. Mai sollte in seiner Gewalttätigkeit nicht als revolutionär verklärt werden", heisst es etwa in einem Internet-Aufruf der Antifaschistischen Aktion Berlin (AAB). Andererseits soll die AAB auch dazu aufrufen, den Aufmarsch der NPD durch "dezentrale Trupps (...) offensiv zu verhindern".

Mit rund 500 Teilnehmern wollen die Rechtsradikalen vom Ostbahnhof zum Bahnhof Lichtenberg ziehen. Nicht nur für die Autonomen gilt dieser Marsch als schwere Provokation. Die Polizei könnte also alle Hände voll zu tun bekommen, ihn zu schützen.

Alle Auskünfte zum Polizeieinsatz am 1. Mai hat die Senatsinnenverwaltung an sich gezogen. Nach Angaben ihres Sprechers Ulrich Romer hat Innensenator Eckart Werthebach "als Verhandlungsbasis 40 Hundertschaften" aus anderen Bundesländern und beim Bundesgrenzschutz angefordert. Wie viele es letztlich würden, sei zwar noch offen, doch man wolle "so viele wie möglich" nach Berlin holen. 19 Hundertschaften sollen bereits zugesagt sein.

Auch wie viele Beamte Berlin selbst einsetzen wird, konnte Romer noch nicht sagen. Die anvisierte Zahl von 4 000 Polizisten aus dem Bundesgebiet deckt sich mit den Informationen der Gewerkschaft der Polizei. Damit könnte der diesjährige Mai-Einsatz größer werden als im vergangenen Jahr. Damals waren insgesamt rund 6 400 Polizisten eingesetzt. Allein die Kosten für die auswärtigen Beamten beliefen sich auf knapp zwei Millionen Mark.

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