Berlin : 1. Mai in Kreuzberg: Krawalltouristen und Schaulustige

Nur wenige polizeibekannte Linke festgenommen. Arabische Jugendliche kaum noch aktiv

Jörn Hasselmann

Von den 138 am 1. Mai in Kreuzberg festgenommenen Menschen erhielten nur 15 einen Haftbefehl. Dies teilte die Justizverwaltung mit. 2007 war gegen 40 von 115 Festgenommenen Haftbefehl erlassen worden. Die niedrige Quote in diesem Jahr erklärt sich aus der geringen Intensität der Krawalle – so konnten viele Täter schon nach dem ersten Stein- oder Flaschenwurf aus der Menge geholt werden. Wie berichtet, hatte Polizeipräsident Dieter Glietsch den 1. Mai mit „Randale nur am Rande“ umschrieben.

Haftbefehle werden jedoch erst bei massiven Straftaten verhängt, bei denen im Prozess hohe Strafen drohen. Alle 15 Betroffenen sind Männer, sechs von ihnen sitzen in Untersuchungshaft, neun wurden gegen Auflagen von der Haft „verschont“, wie Juristen sagen.

In diesem Jahr warfen überwiegend Mitläufer, Schaulustige und Betrunkene Steine oder Flaschen, wie die Statistik der Polizei zeigt. Von den 138 Festgenommenen wurden 46 sofort wieder freigelassen, weil die Vorwürfe gering waren. Von den übrigen 92 waren lediglich acht der Polizei im Vorfeld als politisch motivierte Gewalttäter bekannt. 24 weitere waren als „allgemeine Gewalttäter“ bekannt. Schon seit einigen Jahren wird beobachtet, dass der Kreuzberger Krawall kaum noch politisch motiviert ist – die Täter könnten genauso gut beim Fußball oder beim Herrentag zuschlagen, sagte ein Experte.

Sogar einige Frauen ließen sich zur Randale hinreißen – und konnten wegen auffallender Kleidung meist schnell in der Menge identifiziert werden, so beispielsweise eine junge Frau mit goldener Glitzerjacke, die um 22.18 Uhr unter der Hochbahn am Görlitzer Bahnhof festgenommen wurde. Viele gefasste Randalierer waren aus anderen Bundesländern angereist, so etwa 18 aus Brandenburg und sieben aus Sachsen.

Die militanten Linksextremisten, die die Auseinandersetzungen auch in diesem Jahr nach dem Ende der sogenannten „Revolutionären 1.-Mai-Demonstration“ initiiert hatten, waren vermummt – und tauchten schnell ab, bevor die Polizei eingreifen konnte. Diese Täter kennen die hohe Strafandrohung von bis zu zehn Jahren für schweren Landfriedensbruch. So war ein 27-Jähriger, der im Vorjahr bei den Maikrawallen 16 Flaschen auf Polizisten geworfen hatte, zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Auffallend ist aus Sicht der Polizei, dass sich kaum noch arabische Jugendliche an den Krawallen beteiligen. Von den 92 Festgenommenen, die beim Landeskriminalamt vernommen wurden, hatten lediglich sieben einen ausländischem Pass.

Von den 22 Männern, die nach der Walpurgisnacht-Randale im Mauerpark in Prenzlauer Berg festgenommen wurden, erhielten gleich neun einen Haftbefehl. Dort waren viele Punks ohne festen Wohnsitz – bei ihnen geht die Justiz von Fluchtgefahr aus.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben