1. Mai : Polizei rüstet sich für gewaltbereite Basketballfans

Es ist ja nicht so, dass in Berlin am 1. Mai nicht genug los wäre. Doch in diesem Jahr drohen nicht nur die üblichen Krawalle: Militante Fans aus Griechenland und Russland reisen zum europäischen Basketball-Finale an.

Hannes Heine

Recht unerwartet muss sich die Berliner Polizei derzeit mit dem Thema Basketball beschäftigen. Am 1. und 3. Mai spielen in der Arena am Ostbahnhof die vier besten Vereine Europas im sogenannten Final-Four-Turnier gegeneinander – und die Beamten bereiten sich auf die Anreise gewaltbereiter Fans vor. Neben Anhängern von ZSKA Moskau werden auch Fans von Olympiakos Piräus und Panathinaikos Athen erwartet. Vor allem die griechischen Klubs sind für ihre Hooligans bekannt, zur Fanfolklore rund um den Moskauer Verein wiederum gehört Experten zufolge das Keltenkreuz. Das Symbol ist in Deutschland als verfassungsfeindlich verboten.

Traditionell hat die Berliner Polizei am 1. Mai kein leichtes Spiel. Doch diesmal könnte es an diesem Tag auch noch anlässlich der Basketballpartien zu Komplikationen kommen: Der vierte Teilnehmer wird Donnerstag dieser Woche zwischen den spanischen Teams FC Barcelona und Tau Vitoria ermittelt, deren Fans zwar als vergleichsweise harmlos gelten. Die griechischen Vereine jedoch sind traditionell verfeindet. Die Anhänger beider Teams dürfen aus Sicherheitsgründen schon seit Jahren nicht mehr in die Halle des Rivalen, nachdem es bei Ausschreitungen zwischen Fans beider Klubs immer wieder Schwerverletzte und Brände gegeben hatte. 2007 kam ein Fan ums Leben – ausgerechnet bei einem Spiel zwischen den Frauen-Volleyballmannschaften der Vereine. Panathinaikos ist kürzlich mit einer Strafe von 14 500 Euro belegt worden: Fans hatten in der Halle Pyrotechnik entzündet und Gegenstände auf das Spielfeld geworfen. In der Vergangenheit sind bei Final-Four-Turnieren auch Leuchtraketen abgeschossen worden – und zwar ebenfalls innerhalb der Halle.

„Die Rivalität der Fans hatte anfangs Klassenkampfcharakter“, sagte Silvester Stahl, Sportsoziologe an der Universität Potsdam und Basketballexperte. Panathinaikos galt lange als Verein der Oberschicht, zu Olympiakos hingegen gingen vor allem Hafenarbeiter aus der Küstenstadt Piräus.“ Stahl war 2007 beim Final-Four-Turnier in Athen dabei, bei dem es stundenlange Ausschreitungen gegeben hatte. „Am Bau von Barrikaden und Straßenschlachten mit der Polizei haben sich Hunderte Fans beteiligt“, sagte der Sportwissenschaftler. Nachdem im November 2008 ein linker Schüler von der griechischen Polizei erschossen worden war, solidarisierten sich Basketballfans mit den militanten Autonomen, die Griechenland tagelang in Atem hielten. Das alles könnte nun auch Folgen für die Spiele in Berlin haben. Problematisch ist zudem, dass die Spiele am Abend des 1. Mai in der O2-World am Ostbahnhof beginnen. Genau dann, wenn in der Nähe traditionell zehntausend linke Demonstranten in Kreuzberg und Friedrichshain unterwegs sein werden. Die O2-World ist nahezu ausverkauft, in der Halle werden sich am Maifeiertag knapp 15 000 Menschen aufhalten. Die O2-World will nun zusätzliches Sicherheitspersonal einsetzen. Derzeit berate man sich mit der Polizei, sagte eine Sprecherin. Die genaue Planung erfolge im Laufe der Woche.

Die Berliner Polizei will mit rivalisierenden Fans ähnlich wie bei Fußballspielen verfahren. Bisher hieß das oft: Zahlreiche Beamte stehen mit Hunden an Bahnhöfen und Straßen, zivile Greiftrupps behalten bekannte Randalierer im Auge. Wenn der letzte Turnierteilnehmer feststehe, könne man auch mit den Behörden der Heimatländer über den Einsatz ausländischer Beamter sprechen, sagte ein Polizeisprecher. Wie viele Beamte rund um den 1. Mai eingesetzt werden, stehe noch nicht fest.

Fraglich ist noch, ob sich viele der gefürchteten Hooligans die Karten für das Turnier in Berlin überhaupt leisten können. Schon Anfang Januar waren die billigeren Tickets ab 120 Euro vergeben, seitdem allenfalls Karten für mehr als 400 Euro zu bekommen. Das teuerste Ticket kostet 1200 Euro. Am Montag waren auch via Internet keine Karten mehr zu haben. Allerdings geht ein Teil der Tickets vorab an die Vereine – und die geben sie an ihre Fans weiter. Hannes Heine

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