1. Mai : Randalierer warf früher schon Flaschen

Einer der Verdächtigen, die nach den Maikrawallen in Haft sitzen, ist vorbestraft. An der Polizeistrategie wird nach wie vor heftige Kritik geübt.

Tanja Buntrock

Einer der vier Männer, die nach den Maikrawallen wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft sitzen, ist bereits einschlägig vorbestraft. Der 19-jährige Berliner wurde zu zehn Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt, weil er in der Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai 2007 eine Bierflasche auf einen Polizisten geworfen hatte. Nach den diesjährigen Maikrawallen sei die Zahl der verletzten Polizisten auf 479 gestiegen, hieß es gestern bei der Polizei.

Der Deutsche türkischer Abstammung soll sich aber vor Gericht einsichtig gezeigt haben. Dem damals 17-Jährigen wurde eine gute Prognose erstellt, so dass der Richter die Jugendstrafe auf Bewährung aussetzte, sagte ein Ermittler. Der 19-Jährige sitzt nun in U-Haft, weil er bei den diesjährigen Maikrawallen einen Molotowcocktail auf einen Polizisten geworfen haben soll. Dabei wurde eine unbeteiligte Passantin getroffen. Sie erlitt schwere Brandverletzungen. Die anderen drei Männer (20, 19 und 16 Jahre) sind nicht vorbestraft. Es soll sich bei ihnen auch um Deutsche handeln. Einer der drei, ebenfalls 19 Jahre alt, ist Abiturient. Auch diese drei sollen Brandsätze auf Beamte geworfen haben – dabei wurde keiner getroffen. Dennoch wurden alle Verdächtigen wegen versuchten Mordes verhaftet. Die Begründung der Justiz: Es gebe Beweise dafür, dass sie mit dem gezielten Wurf der Molotow- Cocktails den Tod von Menschen in Kauf nahmen. Ein Steinwurf hingegen wird zumeist als gefährliche Körperverletzung angeklagt. Hier sei die Wahrscheinlichkeit geringer, dass es zu tödlichen Verletzungen kommt. Noch keine Spur hat die Polizei zu jenem Täter, der gegen 1.35 Uhr eine brennbare Flüssigkeit vom Neuen Kreuzberger Zentrum auf Polizisten geschüttet hatte. Dabei wurden drei Beamte getroffen, einer von ihnen fing Feuer. Nur weil Kollegen ihnen sofort zu Hilfe kamen, blieben sie unverletzt. Wieder stabilisiert haben soll sich der Zustand des 23-jährigen Myfest-Besuchers Mike S. Er war lebensgefährlich am Kopf verletzt worden. Näheres sagte die Polizei nicht. Berichte, wonach er wegen politisch motivierter Straftaten bekannt sein soll, bestätigte die Polizei nicht.

Nach Informationen aus Ermittlerkreisen soll sich auch ein Bundespolizist an den Krawallen beteiligt haben. Der 24-Jährige aus Hessen soll sich privat in Berlin aufgehalten haben und beim Werfen von mindestens zwei Steinen beobachtet worden sein. Daraufhin sei er festgenommen worden.

Zugleich wächst die Kritik an der Einsatztaktik der Polizei am 1. Mai. So berichtet die Gewerkschaft der Polizei (GdP), dass ihr Berichte von Polizisten vorliegen, die deutlich machten, „dass sie nicht eingreifen durften, obwohl in Sichtweite Straftaten begangen wurden. Sie konnten Kollegen, die massiv angegriffen wurden und über Funk um Hilfe riefen, nicht unterstützen“, hieß es. Die GdP fordert, dass die Geschehnisse am kommenden Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses aufgearbeitet werden. Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hält die Zahl von 440 verletzten Polizisten für einen Beleg dafür, dass die Einsatzstrategie gescheitert sei. „Unsere Kollegen wurden regelrecht verheizt“ erklärte Gewerkschaftschef Rainer Wendt. Er forderte einen Untersuchungsausschuss

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