Berlin : 1. Treffen in Berlin - "Jeder Mensch ist ein Tänzer"

Sonja Bonin

Ein typischer Sommerabend auf dem Pfefferberg, nur ein bisschen internationaler: Das Theater ist restlos gefüllt mit Teilnehmern des 1. Treffens europäischer Jugendtanzgruppen (Tanzvorstellung heute, 20 Uhr 30, Festivalcafé, morgen, 10 Uhr). Mit beeindruckender Energie eröffnete die ZAP Youth Dance Company aus England das Festival - und setzte für die beiden anderen Gruppen unerreichbare Maßstäbe. Kraftvoll, aber nicht brutal, unverkrampft, flüssig und elegant tanzten vier junge Männer ein Programm voll jugendlicher Energie. Durch vier ebenso überzeugende Tänzerinnen bestach die Truppe dann in ihrem zweiten Stück "www.co.uk", authentisch machten sie die Intensität menschlicher Gefühle spürbar. Ihre klügste Entscheidung: Sie benutzen nur Mittel, die sie beherrschen (wie Elemente aus dem Breakdance), und die sie jederzeit auch auf der Straße oder in der Disco auspacken könnten. Alle Bewegungen wirken deshalb echt, vom entspannten Räkeln am Strand bis zum ungestümen Herumtollen jugendlicher Pärchen im Spiel. Welch ein Kontrast zu dem bunt-lustigen Schulmädel-Outfit, mit der das Jugendtanztheater STIC-er zunächst antrat! Doch im Verlauf eines 25-minütigen Rundgangs durch die Religionen und Kulturen der Welt bot auch die Gruppe aus Stralsund Erstaunliches. Herausragend und faszinierend: der Muskeltanz eines nackten Frauenrückens. Mögen europäische Frauen in indischen Saris auch lächerlich aussehen und sich beim Trippeln in japanischen Kimonos hölzern bewegen - mit ihren Tempeltänzen und klassischen Duetten bewiesen die Tänzerinnen Talent und fanden schließlich begeisterten Beifall für ihren Abgang, einen selbstbewusst hingelegten Charleston. Allen Ensembles gemeinsam war die Verwendung bekannter Ausdrucksmittel aus Disco, Breakdance, Jazz und Modern Dance. Das beweist: auch die Pop-Kultur besitzt ihr klassisches Formenrepertoire, und - "jeder Mensch ist ein Tänzer."

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