100 Angestellte protestieren : Aufstand der Treberhilfe-Mitarbeiter

„Stoppt Ehlerts Marionettentheater“: Über hundert Mitarbeiter der gemeinnützigen Gesellschaft der Treberhilfe sind am Donnerstag vor dem Rathaus Schöneberg erschienen, um erstmals öffentlich ein Gesicht zu zeigen und zu kämpfen.

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Viele Beschäftigte der Treberhilfe verurteilen das rufschädigende Gebaren ihrer Führung.
Viele Beschäftigte der Treberhilfe verurteilen das rufschädigende Gebaren ihrer Führung.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Über hundert Mitarbeiter der gemeinnützigen Gesellschaft der Treberhilfe sind am Donnerstagmorgen vor dem Rathaus Schöneberg erschienen, um erstmals öffentlich ein Gesicht zu zeigen und zu kämpfen. Für etwas, an das sie trotz der mittlerweile zwei Monate währenden Maserati-Affäre des früheren Geschäftsführers Harald Ehlert noch immer glauben – an eine Zukunft ihres Arbeitgebers Treberhilfe. „Stoppt Ehlerts Marionettentheater“ steht auf den schwarzen T-Shirts. Und sie haben klare Vorstellungen, wie diese Zukunft aussehen soll: nicht nur ohne Ehlert, sondern auch ohne den derzeitigen Aufsichtsrat und die Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH. „Wir sehen unsere Interessen und die Interessen der Klienten durch den bestehenden Aufsichtsrat und die Gesellschafter nicht mehr vertreten und sprechen ihnen unser Misstrauen aus“, heißt es in der vor dem Rathaus verlesenen Presseerklärung, die 168 Treberhelfer unterschrieben haben sollen.

Drinnen im Rathaus, wo Ehlert noch im Februar eine gut besuchte Tagung zum Thema „Social Profit“ abhielt, wird sie direkt noch einmal vorgelesen und von den rund 300 Anwesenden laut beklatscht. Die Vertreter aus der Politik, den Bezirken, von Dachverbänden und sozialen Organisationen sind hier, um an einer Fachtagung zum Thema „Aus der Maserati-Affäre lernen“ teilzunehmen.

Der Staatssekretär für Soziales, Rainer Maria Fritsch (Linke), fordert zunächst einmal mehr Zivilcourage von Mitarbeitern sozialer Träger und ein verstärktes Engagement in Betriebsräten und Mitgliedervertretungen. „Wenn solche Gegenmächte fehlen, ist Kontrolle schwierig“, sagt Fritsch. Vonseiten des Senats würde zugleich über eine neue Festlegung der Kostensätze nachgedacht, welche eine tarifliche Bezahlung der Mitarbeiter berücksichtigen solle.

"Relativ wenige Kontrollmöglichkeiten"

Diakonie-Vorstand Thomas Dane wünscht sich außerdem einen Transparenz schaffenden Verhaltenskodex, dem sich zukünftig alle freien Träger zunächst in Selbstverpflichtung unterwerfen sollen. Er gibt zu, dass die Diakonie als Dachverband, bei dem die Treberhilfe GmbH seit 2005 Mitglied ist, selbst nur „relativ wenige Kontrollmöglichkeiten“ habe, das Geschäftsgebaren sozialer Träger zu überprüfen. „Nur mit handfesten Informationen können wir etwas unternehmen und im schlimmsten Fall den Träger ausschließen“, sagt Dane.

Um auch bereits einem Anfangsverdacht nachgehen zu können, schlägt die Betrugsermittlerin Birgit Galley ein unabhängiges Aufsichtsgremium für alle freien Träger vor. Dies könne, so Galley, den „99 weißen Schafen“ beratend und den „ein Promille schwarzen Schafen“ kontrollierend zur Seite stehen. Durch Informantenschutz könnte gewährleistet sein, dass sich skeptische Mitarbeiter schon bei kleineren Auffälligkeiten an das unabhängige Gremium wenden könnten.

Diakonie-Chef Dane erklärt auch, wie Überschüsse bei Sozialträgern überhaupt zustande kommen. Seine vielen Zahlenbeispiele machen klar: Die Personalkosten sind der Dreh- und Angelpunkt. Und wie unbeabsichtigt benennt Dane dann noch den Knackpunkt der Causa Ehlert: „Die freie Sozialwirtschaft belohnt am Ende richtigerweise nur die Besten“, sagt Dane. Eben die, die schwarze Zahlen schreiben. Zu denen gehört nach dieser Rechnung dann allerdings auch Harald Ehlert, der mit der Treberhilfe zuletzt einen jährlichen Überschuss von rund einer Million Euro erwirtschaftet hatte.

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