• 100 Meter bis zum Tod: Der Mörder fuhr im Auto mit Was geschah vor dem Mafiamord an Yana Zhukova?

Berlin : 100 Meter bis zum Tod: Der Mörder fuhr im Auto mit Was geschah vor dem Mafiamord an Yana Zhukova?

Ein erster Zeuge sagte aus. Er sah riskantes Fahrmanöver

Jörn Hasselmann

Der Mörder von Yana Zhukova ist am Sonntagabend um 21.20 Uhr in der Winterfeldtstraße vor der Hausnummer 20/22, zu der 33-Jährigen ins Auto gesprungen. Das ergibt sich aus den Aussagen eines Zeugen. Der silberne Toyota sei rückwärts aus der Parklücke auf die Fahrbahn geschossen – vermutlich wurde Yana Zhukova zu dieser Zeit schon mit der Waffe bedroht. Ein unbeteiligter Autofahrer hatte bei dem Ausparkmanöver so scharf bremsen müssen, dass dieser sich auf jeden Fall daran erinnern müsse, sagte ein Ermittler dem Tagesspiegel. Diesen Fahrer sucht die Kripo jetzt dringend als Zeugen: Telefon 69938270.

Nach nur hundert Metern Fahrt mit ihrem späteren Mörder war das Leben der 33-jährigen Prostituierten beendet, sie wurde vor der Frobenstraße 14 erschossen. Wie berichtet, war Yana Zhukova am Montag tot mit mehreren Kopfschüssen in dem Mietwagen gefunden worden. Der Toyota-Jeep vom Typ „RAV 4“ mit dem Kennzeichen DD-DT 2844 stand auf dem Wendeplatz eines Privatgrundstückes. Sie saß blutüberströmt auf dem Fahrersitz, der Kopf lag auf dem Lenkrad. Ein Nachbar hatte die Tote erst am Mittag entdeckt – 14 Stunden nach ihrer Hinrichtung. In der Nacht hatte es geschneit und die Windschutzscheibe war bedeckt.

Wie berichtet, hatte Yana Zhukova engen Kontakte zur russischen Mafia in Berlin gehabt. Die Prostituierte war am 21. November 2002 in der Charlottenburger Wielandstraße nur knapp einem Handgranatenanschlag entgangen. Die 33-Jährige hatte die Sprengstofffalle entdeckt, weil die Fahrertür nur angelehnt gewesen war. Ihr Misstrauen – das nach Angaben eines Ermittlers durch ihr kriminelles Umfeld weit stärker als bei anderen Menschen ausgeprägt war, hatte ihr das Leben gerettet. Denn beim Öffnen der Tür hätte ein Faden den Sicherungsstift einer Splitterhandgranate herausgerissen. Nach Informationen des Tagesspiegels hatte Yana Zhukova an diesem Abend im spanischen Lokal Borriquito mit mehreren Angehörigen der russischen Autoschiebermafia zusammengesessen. Dies hatte sie den Ermittlern jedoch verschwiegen, zudem war sie zu mehreren Befragungsterminen bei der Kripo nicht erschienen. Das machte sie für die Ermittler der Abteilung Organisierte Kriminalität verdächtig. Nachdem die Kripo ihre Tischgäste ermittelt hatte, wunderte man sich nicht mehr, dass Yana Zhukova alle Angebote für einen Polizeischutz abgelehnt hatte – zuletzt am Freitag vor einer Woche. Zu dieser Befragung war die Frau mit ihrem Anwalt gekommen. Sie hatte Angst, dass sie festgenommen wird. Denn sie hätte am Mittwoch Deutschland verlassen müssen, es lag eine Ausweisungsverfügung vor.

Die Frau war 1996 nach Berlin gekommen – nach einem Eheversprechen durch einen Berliner. 1998 fiel sie erstmals der Polizei auf, wegen einer Kleinigkeit – Ladendiebstahl; weitere Delikte folgten. „Nichts Spektakuläres“, sagte ein Ermittler. Einmal erwischte die Polizei Yana Zhukova bei einer Kontrolle in einem Edelbordell.

Anfangs hatte die aus der Stadt Cherszon stammende Frau in der Greifswalder Straße 158 gewohnt. Die dortige Wohnung im Hinterhaus gilt bei den Ermittlern der Abteilung Organisierte Kriminalität als Anlaufpunkt für Ukrainer, die illegal nach Berlin gekommen sind. In dieser Wohnung war im August 2001 die 45-jährige Ukrainerin Nina Gowarucha von einem Asylbewerber erstochen worden. Nach dem missglückten Handgranatenanschlag im November hatte sie sich von ihrem Mann getrennt. Er war nach Angaben eines Ermittler „auch kein Chorknabe“. Yana Z. war aus dessen Wohnung in der Sybelstraße um die Ecke in die Goethestraße gezogen. Dort hatte sie alleine gewohnt. Trotz ihrer nicht unbedeutenden Einnahmen als Callgirl hatte sie Sozialhilfe bezogen, sagte ein leitender Kriminalbeamter.

Am Donnerstag gingen nur wenige Hinweise bei der Polizei zu diesem spektakulären Mord ein, ein russischsprachiger sei nicht dabei gewesen. Das kennen die Ermittler schon: Die „Russenmafia“ plaudert nicht.

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