100. Montagsdemo gegen Fluglärm : Mehdorn hatte keine Zeit

In Friedrichshagen fand am Montag Abend die 100. Montagsdemonstration gegen Fluglärm statt. Zum Jubiläum waren 3000 Protestler gekommen, auch aus Kleinmachnow, Stahnsdorf und Rüderdorf. Flughafenchef Hartmut Mehdorn war auch eingeladen. Der sagte ab - und hatte auch einen Grund parat.

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100 Mal und kein bisschen leiser: Die Gegner des Flughafens in Friedrichshagen geben nicht auf.
100 Mal und kein bisschen leiser: Die Gegner des Flughafens in Friedrichshagen geben nicht auf.Foto: dpa

„Falscher Standort, falsche Versprechen, falsches Personal“ – so hallte es am Montagabend aus über 3000 Kehlen über den Marktplatz in Friedrichshagen. Zum 100. Mal hatte die örtliche Bürgerinitiative zur Montagsdemo gegen ein Überfliegen des Müggelsees durch Flugzeuge vom neuen Großflughafen und für ein Nachtflugverbot eingeladen. Zum Jubiläum erhielten die Menschen aus dem Südosten Berlins viel Unterstützung aus anderen Bezirken sowie aus Kleinmachnow, Stahnsdorf, Rüdersdorf und weiteren Brandenburger Gemeinden. Sie brachten zusammen mit den Friedrichshagenern ihren Protest gegen den befürchteten Fluglärm stimmgewaltig zu Gehör.

Und Hunderte trugen sich in Listen für eine neue Volksinitiative ein. Damit wollen sie an den bestehenden Flughäfen in Tegel und Schönefeld sowie am neuen Airport BER ein Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr durchsetzen. 20 000 Unterschriften sind notwendig, um eine Debatte im Abgeordnetenhaus und einen entsprechenden Auftrag der Parlamentarier an den Senat zu erzwingen.

Die Redner in Friedrichshagen gaben sich sicher, diese Stimmen in kurzer Zeit zusammenzubringen. Das dürfte tatsächlich nicht schwer fallen. Schließlich hat sich die erstmals am 4. Juli 2011 am Denkmal für den Ortsgründer Friedrich II. spontan zusammengefundene Gruppe von wenigen Enthusiasten zu einer professionell arbeitenden Protestbewegung entwickelt. Anders wäre die Menschenkette mit 24 000 Teilnehmern rund um den Müggelsee Ende August 2012 nicht vorstellbar gewesen.

Inzwischen werden auf jeder Demo die Spendeneimer kräftig gefüllt. Längst treten regelmäßig Künstler aus der Region auf, auch die Kirche gibt ihren Beistand. „Wir unterstützen den Kampf gegen den Fluglärm aus vollem Herzen“, versicherte Pfarrer Alexander Höner von der an den Marktplatz grenzenden Christophorus-Kirche. „Noch mahnen wir“, sagte der Sprecher der Friedrichshagener Bürgerinitiative, Ralf Müller. „Aber wir sehen den sozialen Frieden in der Region in Gefahr, falls der Flughafen in den von den Herren Platzeck und Wowereit gewünschten Dimensionen kommen wird.“ Dann seien „Formen des zivilen Ungehorsams“ nicht auszuschließen.

Dazu könnten Aufrufe zum Boykott von Fluggesellschaften oder auch Blockaden des Flughafens gehören. Zu ihrer Jubiläumsdemo hatten die Initiatoren auch Politiker wie Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer sowie Flughafenchef Hartmut Mehdorn eingeladen.

Nur Mehdorn schickte eine Absage. Die Konzentration auf die Fertigstellung des BER lasse ihm keine Zeit, hieß es in der Antwort. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit erhält keine Einladungen mehr nach Friedrichshagen, nachdem er die Forderungen nach einem Verzicht auf den Überflug des Müggelsees nicht erfüllt hatte.

Der nächste große Protest der Fluglärmgegner soll am 8. Juni an der Dorfkirche in Schönefeld starten. Doch zunächst steht in der kommenden Woche die 101. Montagsdemo in Friedrichshagen an.

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