Berlin : „100 Prozent Baumwolle, 0 Prozent Terror“

Rund 1000 Menschen demonstrierten gegen Kopftuchverbot

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Nanu? Ist das die falsche Demo? Schon von weitem war zu hören, dass ein deutscher Redner per Megaphon gegen den „Sozialkahlschlag“ der Bundesregierung wettert. Eigentlich sollten doch an diesem Sonnabend am Oranienplatz in Kreuzberg Muslime für Religionsfreiheit und gegen jede staatlich reglementierte Kleiderordnung demonstrieren. Beim näheren Hinsehen stellte sich jedoch heraus, dass einige Mitglieder der Hochschulgruppe Linksruck auf eine Veranstaltung unter dem Motto „Nein zum Kopftuchverbot“ am Freitag in der HumboldtUniversität hinweisen wollten.

An der Demonstration nahmen schließlich weit weniger Menschen teil als erwartet. Der Protestzug startete nach Polizeiangaben bei Nieselregen mit rund 1000 Menschen am Oranienplatz in Kreuzberg. Die Veranstalter von der „Initiative Berliner Muslime“ hatten rund 5000 Demonstranten aus ganz Deutschland erwartet.

An der Spitze des Protestmarsches formierten sich zahlreiche Frauen mit Kopftüchern und Regenschirmen. Mit Transparenten wie „Mein Kopftuch ist meine Freiheit“ und „Mein Kopf gehört mir – nein zum Kopftuchverbot“ zogen sie Richtung Innenstadt. In der überschaubaren Menge hielten Männer Schilder der „Initiative Muslim-Brüder“ hoch, andere trugen offen Namensschilder der islamistischen, türkischen Organisation „Milli Görüs“. Der Berliner Verfassungsschutz hatte zuvor darauf hingewiesen, dass zu der Demonstration islamistische Extremisten kommen werden.

Auf Transparenten, die durchgängig auf Deutsch geschrieben waren, sollte die Haltung der Demonstranten deutlich werden. „Das Kopftuch ist unsere Ehre. Wir werden es beschützen“, war da zu lesen oder „Mein Kopftuch besteht zu 100 Prozent aus Baumwolle und zu 0 Prozent aus Terror“. Zusätzlich skandierten die Demonstranten Parolen wie „Das ist keine Tradition, das ist meine Religion“. „Wir wollen auch versuchen, Kontakte zwischen der deutschen Gesellschaft und den Muslimen herzustellen“, sagte Tarik Ercan von der Initiative Berliner Muslime. Der Demonstrationszug zog zum Roten Rathaus, wo Redner vor einer „Verbannung des religiösen Bekenntnisses“ aus Schule und öffentlichem Raum warnten. suz

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