Berlin : 100 Spazierer gegen den Bankenskandal

Empörung ermüdet – aber man muss doch etwas tun!

David Ensikat

Spazieren gegen die Misere, schöne Sache. Zumal, wenn das Wetter auch noch schön ist. Aber ach, es sind nur einhundert Spaziergänger da. Ob die Misere die bemerkt?

Die „Initiative Bankenskandal“, das sind etwa 20 tapfere Berliner und ein Politik-Professor, die sagen: Der Skandal kostet unsere Stadt, kostet uns Milliarden, Politik und Justiz tun nichts dagegen – also tun wir etwas! Aber was? Was soll man denn nur tun? Ein Volksbegehren, das klingt gut. Besonders gut klingt ein Volksbegehren mit dem Titel: „Schluss mit dem Bankenskandal!“ 25000 Unterschriften braucht man dafür erst einmal (später nochmal 250000). So viele Unterschriften mit Name, Anschrift und allem Drum und Dran, das ist nicht leicht für 20 Leute. Da braucht man Öffentlichkeit, Aufmerksamkeit. Also eine Demonstration, die hier „Spaziergang“ heißt.

Vor einem Jahr gab es schon mal einen, da ging es durch den Grunewald zu den Villen der Berliner Banker, die schuld sind am Desaster – zweitausend kamen da!

Und diesmal nur einhundert. Woran liegt’s? Der Skandal kostet immer noch ein Heidengeld, geklärt ist kaum etwas. Gestern der Spaziergang, der führte vorbei an viel größeren Häusern, es war ein „Immobilienspaziergang“ vom Wittenbergplatz zur CDU-Parteizentrale, zum Sitz von Berliner Bank und BerlinHyp. Alles Immobilien, über die man viel erzählen kann, viel Kompliziertes, Verwerfliches, Verworrenes. Vielleicht ist das Ganze zu verworren, nicht so einfach, wie damals die Sache mit den Villen der bösen Buben. Denen zu sagen: Pfui, schämt euch!, das war das eine. Nun die Sache mit dem Volksbegehren, die ist schon eine andere: Da geht’s um Risikoabschirmung, Insolvenz, Entflechtung, solche Sachen. Alles sehr kompliziert, eindeutig ist hier kaum noch was.

Peter Grottian, der initiative Professor, der Kopf der ganzen Sache, sagt, er habe gar nicht mit mehr gerechnet. „Empörung ermüdet ja“, sagt der Professor. Doch er sagt auch: „Man muss doch etwas tun, sonst tut hier niemand was.“ Er trägt ein großes Schild um den Hals, er läuft hinter dem Laster mit der Spaziergangsmusik her, er ist einer von Einhundert. Die tun noch was.

Die Initiative im Internet:

www.berliner-bankenskandal.de

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