Berlin : 1000 Betten weniger

Charité plant Personalabbau ohne Kündigungen Ärztestellen sollen nicht gestrichen werden

Ingo Bach

Die Charité wird bis zum Jahr 2006 mehr Betten verlieren als bisher bekannt. „Schätzungsweise sind in zwei Jahren 2500 bis 2600 Betten für die Krankenversorgung ausreichend“, sagte Klinikumsdirektor Behrend Behrends auf einer Pressekonferenz am gestrigen Montag nach einer Vorstandsklausur. Derzeit verfügt das Universitätsklinikum über rund 3500 Betten. Der Abbau von bis zu 1000 Betten ergebe sich aus der verkürzten stationären Behandlung. „Bis 2006 wird die durchschnittliche Liegedauer pro Patieent von jetzt etwas mehr als acht Tagen auf sechs sinken“, sagte Behrends. Gleichzeitig soll die Zahl der Charité-Patienten mit jährlich 160000 gleich bleiben.

Dieser Abbau trifft auch die 15000 Beschäftigten der Charité. Allein im Pflegebereich werden bis Ende des Jahres 200 Stellen überflüssig, denn bis Dezember fallen 400 Betten weg. Aktuell beschäftigt das Uniklinikum 4600 Schwestern und Pfleger. Durch eine Reduzierung um weitere 600 Betten bis zum Jahr 2006 wären noch einmal 300 Stellen gefährdet. Betriebsbedingte Kündigungen seien aber „kein Thema“, sagte Behrends. „Wir setzen auf die natürliche Fluktuation.“

Die 3800 Mediziner an der Charité müssen dagegen nicht um ihre Jobs fürchten. Im ärztlichen Bereich sehe er kaum Einsparmöglichkeiten, sagte der Klinikumsdirektor. So müsse man das Urteil des Europäischen Gerichtshofes aus dem vergangenen Jahr umsetzen, nachdem die Bereitschaftsdienste der Ärzte als normale Arbeitszeit zählen. Bisher gilt in vielen Kliniken die nächtliche Bereitschaft als Ruhezeit zwischen den Normalschichten, auch wenn die Ärzte immer wieder zu Patienten gerufen werden. So stünden manche Mediziner bis zu 30 Stunden hintereinander am Krankenbett, klagen Ärztevertreter. Und übermüdete Doktoren seien eine Gefahr für die Patientenversorgung. Im vergangenen Jahr hatte die Charité geschätzt, zur Umsetzung des Urteils benötige sie 250 Mediziner zusätzlich.

Sparen will die Charité auch durch einen Haustarifvertrag. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi gehe es dabei um die Streichung des Weihnachts- und Urlaubsgeldes. Dies wollte Charité-Vorstandschef Detlev Ganten nicht bestätigen. „Wir arbeiten noch an unserer Verhandlungslinie.“ Im September seien erste Gespräche mit Verdi geplant.

Außerdem sollen die rund 130 Institute der Charité wie berichtet zu 15 medizinischen Zentren, zum Beispiel Tumor- und Kopfzentren, zusammengefasst werden – „als selbständige Unternehmen innerhalb der Charité“ (Behrends). Alle vier Hauptstandorte des Klinikums sollen aber erhalten bleiben.

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