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1000 geplante Behandlungen könnten ausfallen : Pflegestreik an der Charité ab Montag

Verdi ruft für nächste Woche zum Warnstreik an der Charité auf: Universitätsklinik braucht mehr Personal. Gesundheitssenator Mario Czaja: Personalschlüssel in den Krankenhausplan.

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Foto: Pillick/ dpa

An der Charité wird kommende Woche gestreikt. Nach Tagesspiegel-Informationen werden Pflegekräfte sowohl kommenden Montag als auch Dienstag an allen drei Standorten der Universitätsklinik die Arbeit niederlegen. Intern wird insgesamt mit 500 Streikenden gerechnet. Am Dienstag bestätigte Carsten Becker von der Verdi-Betriebsgruppe in der Charité, dass man zum Warnstreik aufrufe: Der Klinikvorstand habe sich in den Verhandlungen kaum bewegt.

Der Vorstand der landeseigenen Klinik werde sich demnächst zum Arbeitskampf äußern, sagte ein Charité-Sprecher am Dienstag. Dem Vernehmen nach hatten sich Gewerkschaft und Vorstand zuletzt zumindest in den Fragen zu den Intensiv-Stationen angenähert.

Verdi will mehr Personal für die Pflege

 Die in der Gewerkschaft organisierten Schwestern und Pfleger fordern seit Jahren mehr Personal. Konkret soll es verbindliche Mindestbesetzungen auf allen Stationen geben. In der Normalpflege soll demnach eine Schwester nicht mehr als fünf Patienten versorgen müssen. Derzeit ist der Personalschlüssel dort im Schnitt eher eins zu zehn. Auf den Intensivstationen soll eine Pflegekraft künftig für zwei Patienten zuständig sein, nicht wie derzeit für bis zu vier.

Bei Personalmangel, so die Mitarbeitervertreter, drohten Fehler, die auch Patienten schadeten. Außerdem fordert Verdi, dass nachts in jeder Station mehr als eine Fachkraft im Dienst ist. Bislang hat es Nachtschichten gegeben, in denen eine Schwester mit bis zu 25 Patienten allein gewesen ist. Dies allerdings ist in vielen Kliniken üblich, in privat betriebenen wie in kirchlichen oder landeseigenen Häusern. Auch bei den privaten Helios-Kliniken hatte Verdi neulich zum Warnstreik aufgerufen.

 Bei Streik könnten Tausende OPs ausfallen

Die Charité beschäftigt mehr als 4000 Schwestern und Pfleger – die sich im Arbeitsalltag auf drei Schichten an den Campussen in Wedding, Mitte und Steglitz aufteilen. Hunderte Streikende dürften zur Folge haben, dass insgesamt mehr als 1000 geplante Behandlungen ausfallen. Das könnte Einnahmeausfälle in Millionenhöhe bedeuten.

Proteste vor dem Bettenturm in Mitte hat es in der Charité-Geschichte immer wieder gegeben.
Proteste vor dem Bettenturm in Mitte hat es in der Charité-Geschichte immer wieder gegeben.dpa

Die Charité muss knapp haushalten

Um mit knappen Mitteln eine in Berlin steigende Zahl von Patienten zu versorgen, hatte die Charité-Spitze die Effizienz ihrer Stationen erhöhen lassen. Vor allem der Druck auf die Pflegekräfte stieg, weshalb die Gewerkschaften derzeit eben nicht höhere Löhne, sondern Zusatzpersonal fordern. Die Charité-Spitze hatte sich immer wieder um mehr Geld bemüht. Zähe Gespräche mit dem Senat um Bauzuschüsse und harte Verhandlungen mit Drittmittelgebern um Forschungsgelder haben allerdings nicht dazu geführt, dass die größte Universitätsklinik Europas satte Reserven hat: 2014 blieben nach vorläufigen Zahlen 7,6 Millionen Euro übrig – angesichts eines Jahresumsatzes von 1,2 Milliarden Euro eher ein symbolischer Gewinn. Grundsätzlich gilt: Die Länder bezahlen Bauten und Technik der relevanten Kliniken, die Krankenkassen übernehmen Personal, Medikamente und Energie. Nur sind die Landesmittel gerade in Berlin seit Jahren begrenzt. Die Kassen befürchten bei einer Erhöhung ihrer Pauschalen an die Kliniken, dass dieses Geld eher für nötige Sanierungen statt für die Pflege ausgegeben wird.

 Brandbrief an Gesundheitssenator Mario Czaja

Fast 550 Intensiv-Pflegekräfte hatten kürzlich an Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) geschrieben: Er solle im künftigen Krankenhausplan, hieß es in dem Brief, die Personallage in den Kliniken als Qualitätskriterium berücksichtigen. Der Plan regelt ab dem Jahr 2016, welcher Klinik wie viele Krankenbetten und damit Gelder zustehen. Czaja sagte noch am Dienstag: „Wir werden im künftigen Krankenhausplan alle uns zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen, um Qualitätskriterien und damit verbundene rechtssichere Personalschlüssel in den Krankenhausplan aufzunehmen.“ Vorsitzende des Charité-Aufsichtsrates ist Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

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