Berlin : 103-Jährige von Auto erfasst und getötet

Jörn Hasselmann

Gertrud S. wurde im Jahr 1901 geboren. Sie starb am vorletzten Tag des Jahres 2004. Am Mittwochabend wurde die 103-Jährige wenige Meter von ihrer Wohnung entfernt von einem Auto angefahren; sie wollte mit ihrem Rollwägelchen allein die Fahrbahn überqueren. Die Frau starb wenige Stunden später in der Nacht im Krankenhaus. In die Unfallstatistik geht sie als ältestes Opfer seit Beginn der Datensammlung 1953 ein.

Für die Angehörigen kam der Tod völlig überraschend. Sie waren am Unfallabend vom Krankenhaus beruhigt worden, dass die alte Dame wohl schnell wieder nach Hause könne. Doch Gertrud S. starb im Unfallkrankenhaus Marzahn. Bei dem Unfall selbst hatte sie sich Knochen gebrochen. Eine Obduktion soll die Todesursache klären. „Vielleicht wurde ihr Lebenswillen einfach mit gebrochen“, sagte ein Arzt.

Der VW Passat war auf der schmalen Alten Hellersdorfer Straße nach Norden unterwegs. Eine Ampel gibt es dort nicht. Gertrud S. schob ihren „Rollator“ vor der Hausnummer 146 auf die Fahrbahn. Der 32-jährige Hellersdorfer bremste und erfasste die Gehhilfe leicht. Die fiel um und die 103-Jährige stürzte. Zeugen gibt es nicht. Zu schnell war der 32-Jährige wohl nicht, getrunken hatte er nichts. Der Verkehrsunfalldienst will den Unfall jetzt nachstellen, um zu klären, welche Schuld den Autofahrer trifft: Hätte er den Zusammenstoß vermeiden können?

Gertrud S. lebte allein stehend in ihrer Wohnung an der Ludwigsfelder Straße im Neubaugebiet Hellersdorfs. Versorgt wurde sie dort seit einigen Jahren von Verwandten. „Sie war noch so rüstig“, hieß es bewundernd.

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